Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Unsere Hauptfigur blickt im Alter von vierzig Jahren auf ihr Leben zurück. Ihre Kindheit war geprägt von Lieblosigkeit und Chaos und erst mit dem Erwachsenwerden hat sie sich befreien können. Sie hat den Schmerz der verlorenen Kinder- und Jugendjahre verdrängt. “Ich habe viele Texte über fremde Menschen geschrieben, die ich entweder nicht kannte oder die ich erfunden hatte. Die Geschichten hatten nichts mit meinem Leben gemein. Ich konnte nicht über mein Leben schreiben. Der Schmerz hockte wie ein gefährliches Raubtier im Käfig in mir drin. Hätte ich ihn beim Schreiben heraus gelassen, hätte er mich getötet.“

Weil sie viel Zeit und Kraft in fiktive Welten investiert hat, hat sie ihren Schmerz betäubt können. Sie ist eine erfolgreiche Krimiautorin oder Fantasyautorin. Ihre publizierte Herkunft ist Fiktion. Die Menschen lieben Mitglieder der Elite, die aus gutem und reichem Hause kommen und aus Langeweile Schriftsteller werden. Niemand liebt Versager aus schwierigen Verhältnissen. Das ist das Mantra der Zukunft und kommt aus unserer Gegenwart. Es kommt der Moment an dem sie die Ächtung einer solchen Herkunft nicht mehr aushalten kann. Sie gesteht sich und der Welt die Wahrheit. Sie berichtet über ihre Kindheit und wie sie zur Selbstlüge kam.

Die Gesellschaft liebt erfolgreiche Menschen und in 2029 wird es sich noch verschlimmert haben, weil sich der Graben zwischen Arm und Reich nicht mehr überbrücken lässt. Es wird zwischen 2015 und 2029 Ereignisse gegeben haben, die dazu geführt haben, dass die westlichen Gesellschaften ihre solidarischen Strukturen verloren haben. Es wäre zu einfach an der Stelle zu behaupten, wie die sozialen Mechanismen in dieser Zukunft funktionieren. Bevor ich die Geschichte schreibe, gilt es genau hinzuschauen und das soziale System, ausgehend von der Gegenwart, zu präzisieren. Eine bekannte Autorin bringt den Mut auf und engagiert sich gegen die gesellschaftliche Lüge, die nicht nur sie bestimmt, sondern das Leben aller. Natürlich ist es interessant zu sehen, wie dies von ihrem Umfeld aufgenommen wird und dies kann der Schluss des Romans sein. Im schlimmsten Fall rührt es niemanden und es ändert sich nichts. So wie es nihilistische Autoren wie Houellebecq gerne propagieren. In der Wirklichkeit gibt es keine Superhelden, die Gesellschaften von einem Tag zum anderen zum Besseren ändern. Es gibt nur langwierige Prozesse, die die Menschheit verändern und der Ausgang liegt im Nebel der Geschichte

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s