Walter Schels/ The Ramen

Ein totgeborenes Kind, in Käseschmiere gehüllt, die Augen fest geschlossen, der Mund offen, zum Schrei geformt, vielleicht im Geburtskanal erstickt.

Ich betrete in Hamburg ein schmales kleines Restaurant: The Ramen in der Rosenstrasse. Ich bin nur ein Tag in der Stadt. Das Restaurant habe ich vorher im Internet ausgesucht. Den Tag Aufenthalt in der Stadt habe ich minutiös vorgeplant. Von elf bis eins Deichtorhallen, von eins bis zwei Elbphilharmonie und um zwei Uhr bis drei Uhr mittags japanische Suppe.

Ich bin emotional aufgewühlt, lasse mir aber nichts anmerken. Meine Rolle als distanzierter Betrachter kann ich nur schwer aufrechterhalten. Warum macht man es mir so schwer und beginnt die Ausstellung mit dem Foto einer Totgeburt?

Das Restaurant ist eng. Es bietet höchstens Sitzplätze für zwanzig Gäste. Der Koch bereitet das Essen vor den Augen der Gäste zu. Man kann der Spülkraft beim Beladen der Spülmaschine zuschauen. Es gibt zwei Tischreihen, die aus zwei getrennten Holzblöcken besteht. Die junge asiatische Bedienung weist mir freundlich meinen Platz zu. An der Wandreihe sitzen ein junger Mann und eine junge Frau. Auf den ersten Blick kann ich sehen, dass sie ein anstrengendes und ernstes Gesprächsthema durchkauen.

Neben dem kleinen Foto der Totgeburt hängt eine Reihe von Fotos mit kräftigen, gesunden Babys, die ihre Lebenskraft in die Welt hinausschreien.

Meine langen Beine unter dem schmalen Holzblock zu klemmen und für meine Jacke einen Ablageplatz zu finden, nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich brüte und schwitze über der kleinen Speisekarte. Das Paar neben mir trennt sich gerade. Warum entblößen sie sich und zelebrieren das Ende ihrer Beziehung in der Öffentlichkeit?

Die an die Wand gedruckte Legende sagt: Walter Schels erkenne in den Neugeborenen etwas Greisenhaftes. Man kann nicht wissen, welche Wissen die Säuglinge schon mit in die Welt bringen. Vielleicht sind Neugeborene altkluge Wesen. Ich drehe mich um.

Er arbeitet sich vom Ende der Beziehung her durch einen riesigen Haufen von Verletzungen, die sie ihm zugefügt hat. Ich höre (ohne hinzuschauen), wie sie ihm angestrengt ihre ganze Aufmerksamkeit widmet. Mein Essen ist bestellt. Die junge asiatische Bedienung stellt eine Minz-Limo auf meinem Tischblock ab. Ich kann nicht weghören, verstecke mich hinter dem Display meines Handys und nippe gelegentlich an der Limo.

Auf der gegenüberliegenden Seite dominiert das Foto einer vertrockneten Tulpe. Spröde Vergänglichkeit, die sich bei einer Berührung in blasse, durchsichtige Krümel verwandelt. Die Fotos der Ausstellung strahlen mehr schwarz wie weiß. Kontrastreiche Linien, auch in der Anordnung der Exponate. Es gibt immer ein Gegenüber.

Zwei Gegenüber erläutern im Rahmen einer Supervision ihren professionellen Standpunkt. Der Beginn und das Ende sind die emotionalen Highlights. Wir waren so verliebt ineinander. Ich habe dich so gehasst. Abgeklärt wird das Dazwischen professionell und erwachsen aufgearbeitet. Auf der Zeitschiene rollt der Zug der Effizienz und Wirtschaftlichkeit über den Schmerz hinweg.

Nebenan ein anderer Raum, ein anderes Thema, Polyptychen: Geschlechterwandlungen von Mann zu Frau und Frau zu Mann. Ein Mann mit nacktem Oberkörper, dem auf dem nächsten Bild unter seinem männlichen Antlitz Brüste gewachsen sind. Im nächsten Schritt kann man es keinem Geschlecht zuordnen. Letztendlich ist der Mann zur Frau geworden. Ich bin verblüfft. Es fühlt sich so selbstverständlich und natürlich an.

Mit meinen Essstäbchen versuche ich glitschige Wantans im Suppentümpel einzufangen. Ich hatte andere Ziele in meinem Leben. Deshalb hat sich das mit uns nicht richtig angefühlt. Ich konnte dir so niemals gerecht werden. Ich habe meine neue Arbeitsstelle angenommen und dich nicht mit einbezogen. Ich war so fokussiert auf die Herausforderung. Da bist du untergegangen. Endlich habe ich einen Wantan gefangen und stopfe ihn ungeschickt in meinen Mund. Er ist viel zu heiß. Ich spucke ihn wieder aus. Das Fischen nimmt kein Ende.

Polaroids aus den siebziger Jahren. Probebilder aus einem Casting für Playboymodels. Ausnahmsweise in Farbe. Unscheinbare unscharfe Frauenkörper, mit Striemen am Bauch, Flecken an Armen und Beinen, schlecht frisiert und flachen Brüsten. Es könnten auch Bilder von Gewaltopfer sein. Der Fotograf dokumentiert ihre Verletzungen.

Ich treffe bewusst die Entscheidung, Ramen zu mögen und schlürfe die Schüssel lustvoll aus. Für einen Moment vergesse ich das Paar neben mir. Sie produzieren in einer Endlosschleife immer die gleichen Sätze. Als zitierten sie ein Buch über Kommunikationstechniken. Das verwaltete Grauen der Rücksichtnahme. Sie versuchen hinter den sorgfältig gewählten Worten ihre wahre Abscheu zu verbergen.

Eine Fotoserie todgeweihter Menschen. Einmal lebendig und einmal tot. Ein Kleinkind: lebendig mit einem Schlauch, der ihm aus dem linken Nasenloch hängt und tot als friedvolle Puppe. Ich schlucke meine Trauer hinunter und schaue weg.

Die junge Frau steht auf und geht zur Toilette. Diese Veränderung nehme ich sofort war. Der Kerl sitzt nun alleine da. Am liebsten möchte ich ihm sagen, dass die vielen Worte nichts bringen und er lieber abhauen soll, ohne zu bezahlen. Das hätte eine zugleich verheerende und beschleunigende und befreiende Wirkung auf den Trennungsprozess.

Schels hat unzählige Portraitfotos von Prominenten geschossen. Sein Ansinnen ist es, hinter die Maske der Prominenz zu schauen und den Menschen so zu zeigen, wie er ist. Dafür hat er oft die Menschen warten lassen, bis sie müde waren und keine Kraft mehr besaßen, um ihr Fotogesicht  aufrecht halten zu können.

Sie kommt von der Toilette. Ich sehe sie zum ersten Mal. Ich erblicke eine schöne junge Dame mit langen Maronenhaar, die einen langen seidenraschelnden Rock trägt. Sie wankt, strauchelt, fällt fast hin. Erschöpft gibt sie ihre angestrengte Zurückhaltung auf. Ihre Erscheinung offenbart für eine Sekunde die Traurigkeit über den Verlust der Liebe, von der sie sich viel erhofft hatte. Für sie fällt eine Welt in sich zusammen. Sie sieht vor sich die vielen Jahre mit ihm, die schönen Erlebnisse, Reisen, Feste, Theaterbesuche, ein eigenes Zuhause und ihre gemeinsamen Kinder, die niemals existieren werden. Er verharrt stumm auf seinem Platz. Es zerreißt mein Herz wie der Anblick der toten Kinder. Es ist zwei Uhr fünfundfünfzig. Ich muss weiter und verlange nach der Rechnung.

 

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Die dunkle Seite der Ohnmacht

Die Zeit ist ein Ozean. Aber jeder Ozean trifft auf eine Küste.

Wir lieben Darth Vader und hassen Mahatma Gandhi.

Jeder bewundert die Elite. Sie sind infantile Idioten und

geben einen Scheiß auf Regeln.  Dreijährige, Deliktunfähig.

Macht kann man kaufen. Man kann alles kaufen.

Elon Musk will eine neue Erde kaufen, Amazon soll sie liefern.

Kann ich ja weiter mit meinem getunten Opellambo

die Spießer vom Bürgersteig fegen.

Gibt Ärger, wenn ich die Leasingrate nicht bezahle.

Das ist das einzige was zählt. Die geliehene Patte zählen,

fresh money für die geborgte Zukunft.

Ihr Sozialversicherungsnummernjunkies, was wollt ihr von mir?

Nichts wisst ihr vom leeren Glück einer Nacht auf der Autobahn,

den Fuß auf dem Gaspedal, die Reflektionen der LED im Gesicht.

Wie im Raumschiff. Auf zum Todesstern. Warten auf den Weltuntergang.

Der schwarze Kunststoffzombie erwartet uns.

Tod oder lebendig, wenn kümmert es.

Headroom

Wenn Musiker ihre Stücke aufnehmen und danach mischen, reden sie gerne davon, dass die Aufnahme Headroom braucht. Eine einzelnes Instrument mit hohem Pegel kann sich sehr gut anhören, kommen aber noch viele andere Instrumente hinzu, wird die Aufnahme schnell matschig klingen oder sogar verzerren. Man sollte genügend Luft bis zur Raumdecke lassen und den Pegel einzelner Instrumente eher nach unten ziehen, auch wenn sie einzeln dann nicht sonderlich spektakulär klingen. Letztendlich bleibt aber im Gesamtbild genügend Raum, um die Aufnahme gestalten zu können.

Bei einem Roman läuft es ähnlich. Ich kann mir unzählige Figuren und Handlungsstränge ausdenken, die alle einzeln betrachtet eine tolle Wirkung auf den Leser haben. Habe ich zu viele Elemente kreiert und möchte daraus einen Text formen, wird der Text beliebig und zu überladen. Wenn ich ihn lese, schmerzen mir meine Ohren, weil er zu grell und zu laut ist.

Meine ersten Romanprojekte litten unter ein Zuviel an allem. Zu viele Personen, zu viele Handlungsstränge, zu viel Text. Erst beim zweiten Roman habe ich verstanden, dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren muss. Am Anfang standen die zwei Hauptfiguren. Zuerst wollte ich sie verstehen. Wie sollen sie ticken? Welches Leben haben sie hinter sich? Was ist ihre Motivation? Wie passt das alles zu meinem Anliegen? Erst als ich die beiden Hauptfiguren und ihr Denken und Fühlen durchdrungen hatte, konnte ich die Handlung ausarbeiten. Es war so eine Art „On-the-Road“-Roman. Die beiden Hauptpersonen gehen auf eine Reise, um etwas zu finden. Das Gesuchte finden sie zwar nicht, aber sie finden sich selbst. Hierbei ging es um ein verdrängtes Erlebnis, dass durch diese Reise für einen der Hauptpersonen wieder sichtbar wurde. Somit hatte ich ein Handlungsmotiv, das für Spannung sorgen sollte. Die Hauptperson macht immer wieder Andeutung und gibt Hinweise auf das traumatische Ereignis und meine Hoffnung war es, den Leser dadurch an den Text zu fesseln, weil er wissen will, was nun eigentlich damals passiert war. Das sollte alles reichen und hätte es auch, wenn ich nicht wieder zwischendurch meine üppige Fantasie hätte walten lassen. Am Ende gab es leider wieder viel zu viel Text, Handlung und Personen.  

 Deswegen mein Appell an alle Autoren, die sich mit ihrem Text herumschlagen, weil sie den Faden verloren haben: Macht Euch mit euren wichtigsten Figuren erst einmal vertraut, entwerft einen Handlungsstrang. Seid diszipliniert und lasst euch Raum. Das Grobgerüst muss stehen. Das Fleisch kommt beim Schreiben an den Knochen.

  

Schamwand 2 -der stille Ort

kloBerlin

 

Geschäftig irrt der Mensch auf den Pfaden des Geldes, des Wachstums und der Macht.  Im Zweireiher wandelnd auf diskreten, desinfizierten Fluren, vorbeihastend an verschlossenen Türen, sucht er Ruhe, einen Raum, indem er den einzigen klaren Gedanken des Tages fassen kann. Im seinen Kopf toben die Meinungen, Zahlen, Empfehlungen, Befehle, Werbebotschaften, fallen übereinander her, verheddern sich im Sturm der Synapsen und lassen ihn zum gefühlstauben, tumben Idioten werden, der voller Verzweiflung einen Rückzugsort sucht, ein Instantkloster, eine Schweigezelle.

In der hintersten Ecke eines jeden Kongress- oder Seminarortes gibt es stille durch stilisierte Männchen an der Tür gekennzeichnete Orte. Abgeschiedene und abgestandene Räume, die nur wenige kennen. Der Zweireiher braucht die fünf Minuten Ausgrenzung, die Flucht von der Flut an Informationen, die schon den ganzen Vormittag auf ihn einprasseln. Die Powerpointfolien huschen an seinem geistigen Augen vorbei und er will diese wahnsinnige Masse an unsinnigen Daten loswerden. Er will sie nicht zur Kenntnis nehmen. Auch wenn jeder Referent ihn ermahnt hat, die Bedeutung der Daten ernst zu nehmen. Sind sie doch wichtig für das eigene Fortkommen, den Erfolg des Unternehmens, ja sogar für die Entwicklung der Menschheit. Wer die Folien nicht verinnerlicht, ist quasi schon aus dem Rennen.

Der Zweireiher rutscht müde im hellen Seminarraum auf dem feinen Zwirn seines Hosenbodens hin und her, drückt  auf seinem Handy herum und sieht sich verstohlen um. Niemand bemerkt seine geistige Abwesenheit, sind sie doch alle nicht mehr anwesend. Leere Hüllen mit trüben Augen, eingefallenen Wangen und speichelarmen Mündern.

Er steht auf, schleicht sich hinweg. Die einzige Chance dem Wahnsinn zu entkommen, sich eine Pause zu gönnen, ist der allgemein durch gesellschaftlichen Konsens anerkannte Gang zum Entleeren von im Körper angesammelten Flüssigkeiten und Feststoffen, die auf Ausscheidung drängen. Ist die Konzernleitung ansonsten unerbittlich mit den Anforderungen an die Angestellten, kann man diesen sogenannten menschlichen Regungen ihr Anrecht auf Erscheinung nicht absprechen.

In jedem totalitären System gibt es Lücken. Das gilt auch für Seminartage.

Der Zweireiher drückt die Klostertür auf. Sie gleitet sanft über den Fliesenboden. Er lässt sie hinter sich und der Selbstschließer lässt die fast geräuschlos ins Schloss gleiten. Wie von Geisterhand, hätte man früher geflüstert. Bei den Waschgelegenheiten im Vorraum ist er fast am Ziel. Hier beginnt der mythische Dienst an der Stille, an der Untätigkeit.

Außerhalb ist verlorene Zeit nicht gestattet. Nichtstun ist ineffizient. Es gibt so viel zu tun, daher ist kein Stillstand erlaubt. Mit dem Durchschreiten der zweiten Tür stellt sich beim Zweireiher ein schlechtes Gewissen ein. Darf er sich den einzigen Moment der Kontemplation gönnen? Er rettet sich in eine Toilettenzelle. Am Ziel. Er atmet tief durch und in seine Nase erhascht einen penetranten Fäkalgeruch. Angeekelt wechselt er die Zelle. Vorsichtig erobert er den kleinen Raum, hängt seine Riechzellen in das Klima über der Kloschüssel. Sein Gehirn kann keine unangenehmen Duftnoten entschlüsseln. Er klappt den Klodeckel herunter und nimmt Platz. Fast geschafft. Er zupft noch an dem Futter seiner Anzugsinnentasche, um sich zu versichern, dass er mit der Welt da draußen noch verbunden ist. Das Handy ist nicht weg. Es ist mitgekommen. Aber es verliert plötzlich an Bedeutung.

Ruhe hinter den Schamwänden.

Vielen Dank an Jens Müller für das Foto und damit für die Inspiration für diesen Text. Das Foto zeigt einen stillen Ort in einem Berliner Hotel. Wir fragten uns gemeinsam, warum man transparente Scheiben zwischen den Pissoirs angebracht hat. Welche Nutzen soll sie haben? Falls jemand Auskunft geben kann, soll  er mir bitte schreiben. Unser Leben hängt von dieser Information ab!!!

Jungs gegen Mädchen, Mädchen gegen Jungs

Der Sommerurlaub ist für mich die einzige Möglichkeit, meine Leserückstände abzuarbeiten. Neu erstandene Lektüre landet bei mir ungelesen auf einer Ablage auf der Rückseite meines Bettes. Im Laufe des Jahres wächst dort ein unschöner Turm aus Papier und Buchdeckeln heran. Irgendwann ist er so hoch, dass er Nachts zusammenbrechen und auf mein Haupt fallen könnte. Dann weiß ich, dass  der Sommerurlaub in greifbarer Nähe ist.

Zu zweiten Mal haben wir uns in der Toskana ein Haus für zwei Wochen gemietet.  Neben unserem umfangreichen Ausflugsprogramm gönnen wir uns freie Tage, die wir mit Lesen verbringen. Es ist auch die Gelegenheit mit meiner Frau Henrike ins Gespräch über Literatur zu kommen. Jeder von uns ist in seiner Lektüre vertieft. Irgendwann strengt das Lesen an und wir versuchen uns abzulenken.

„Und, wie ist es?“

 “Was?“

 “Das Buch“

„Ach so! Ganz gut.“

„Worum geht es da?“

Dann wird berichtet und der andere stöhnt.

 „So ein Mist. Und so etwas liest du?“

Und weil wir beide einen hohen Anspruch an Literatur haben und es nicht grundsätzlich an der Qualität der Bücher liegt, um zu solchen drastischen Urteilen gelangen,  vertrete ich die These, dass wir grundsätzlich immer nur die zu unserem Geschlecht passende Literatur lesen.

Frauen- und Männerliteratur, gibt es so etwas überhaupt? Darf man heutzutage unterstellen, dass die Frauen und Männer nicht nur unterschiedliches Gehalt bekommen, sondern auch unterschiedliche Literatur lesen? Ich finde schon. Allerdings sollte man nicht glauben, dass die jeweils eigene Literaturgattung besser ist.

Ich will hier zwei Beispiele aus unserer Urlaubslektüre heraus picken, um aus meiner subjektiven Sicht einige Merkmale, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Männer- und Frauenliteratur heraus zu arbeiten.

 Meine Frau hatte zufälligerweise aus der Stadtbibliothek das letzte Buch von Sarah Kuttner mitgebracht (180 Grad Meer). Als Vergleichslektüre habe ich von David Foster Wallace „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ zu Rate gezogen.

Ich bin schon seit langem ein heimlicher Fan von Frau Kuttner. Ihre Sendung auf Viva habe ich damals inhaliert. Für mich ist sie so etwas wie die Wegbereiterin für solche Leute wie Böhmermann (der ja gerne über Frau Kuttner lästert). Ich fand sie äußerst witzig, intelligent und schlagfertig. Nach dem Ende der Sendung habe ich mich nicht mehr sonderlich für sie interessiert. Was nicht das Problem von Frau Kuttner sein sollte. Sie hat genug andere Fans und wird ganz bestimmt ohne mich auskommen.

Trotzdem grüße ich sie an der Stelle, während ich mit meiner eigenen Achselhöhle kuschele und den schmierigen Dunst meines ekelerregenden Schweißes einatme und ihr den Finger zeige, denn ihr Buch finde ich nur teilweise gelungen. Welches Problem habe ich mit dem Buch? Ich könnte ja jetzt das Vorurteil eines männlichen Intellektuellen in die Welt blasen und sagen, dass so Fernsehtussen nicht schreiben können. Aber nein so sehe ich das nicht. Egal was sie sonst so beruflich macht, sie schreibt nicht schlecht. Sie hat ihren eigenen Ton, beherrscht die moderne Art der Verknappung und setzt an den richtigen Stellen die Phantasie des Lesers in Gang. Manche Wortkreationen sind durchaus kreativ und lassen den Leser schmunzeln oder aufhorchen. Aber was stört mich an ihrem Buch? Sie schreibt in der Ich-Perspektive über eine Jule, eine wehleidige junge Frau, die sich allem versagt und nichts zustande bringen möchte. Sozusagen die moderne Version von der Prinzessin auf der Erbse. Die Männer nehmen alle Rücksicht auf sie. Ihr Bruder Jakob und ihr Freund Tim behandeln sie mit Samthandschuhen, bekommen ständig ihre Wut ab und müssen klein beigeben. Jule finde ich persönlich nicht sympathisch, aber die Autorin hat vollstes Verständnis für die Ungezogenheit und dämliche Motzigkeit ihrer Heldin und damit befinden wir uns voll in den Gewässern der Frauenliteratur, die sich an die Mittdreißigerinnen wendet, die aus lauter Trägheit und vor sich her getragener Unlust nichts erreichen möchte: Kein Beruf, keine Beziehung, kein Nachwuchs. Man lebt so vor sich her und beschwört andauernd die Schlechtigkeit aller Männer. im Zweifel lässt man sich gerne von den übelsten Kerlen begatten und findet dafür auch noch eine nette Begründung. Und dann wird noch die ganze Schuld an der eigenen Nicht-Existenz bei den Eltern abgeladen. Schließlich haben die sich ja scheiden lassen und haben vorher die Jule nicht gefragt. Der Vater ist der böse Mann, der abgehauen ist und noch einmal von vorne angefangen hat. Das Buch schleppt sich bis auf Seite 150 und dann erst besucht sie ihren todkranken Vater, mit dem sie sich eigentlich nur streiten will, um sich bestätigt zu sehen. Der Vater bringt sich um, ohne sich mit ihm versöhnt zu haben. Am Ende des Textes erwähnt ihre Stiefmutter, dass der Vater Jule während der Trennungsphase von ihrer Mutter immer ans von ihr geliebte Meer geschleppt hat. Sie erkennt darin die Verbindung zu ihrem Vater, schließt ihren inneren Frieden mit ihm und macht dann einfach so weiter wie bisher. Damit kann ich nichts anfangen. Alle Frauen, die im Leben nicht so richtig weiter kommen und mit Mitte dreißig immer noch in der Untätigkeit festhängen, werden da vielleicht Beifall klatschen und sich mit Jule identifizieren können. Frau Kuttner wird für solche Frauen auch gleich zur Ikone, weil sie ihnen ja die beste aller Lösungen für ihre Probleme bietet. Bleib einfach so wie du bist. Bette dich auf deine  zehn Matratzen und bleib da liegen. Ist schon in Ordnung.

Die Männerliteratur schneidet nicht besser ab. David Foster Wallace und sein Buch „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ bildet das andere männliche Extrem ab. Herr Foster Wallace gebührt für sein alles überragendes monolithisches  Werk „ein unendlicher Spaß“ meine vollste Verehrung und auch „Schrecklich amüsant…“ liest sich anfangs ganz passabel. Es handelt sich um eine Reportage über eine Kreuzfahrt, eine Auftragsarbeit für eine Zeitung, die Herr Foster Wallace scheinbar nur widerwillig übernommen hat. Wie immer bei Herr Foster Wallace bleibt einem das Lachen im Hals stecken oder es kommt erst sehr spät aus dem Hals herausgefallen. Herr Foster Wallace hat einen offenkundig hintergründigen und teilweise bösartigen Humor, der sich hinter grellen Wortschöpfungen und umständlichen Beschreibungen verbirgt. Das macht ihn aus und dafür lieben ihn seine Fans, zu denen ich durchaus gehöre. Allerdings geriert er sich in dem Buch als den Typ des soziopathischen, hyperintelligenten Nerd, der sich ganz naturgemäß auf einer Kreuzfahrt nur bedingt wohlfühlen kann. Und das ist typische Männerliteratur. Er stellt den lebensunfähigen Freak  dar, der sich allzu gerne in seiner Kabine verkriecht, sich beim Abendessen blamiert, sich aufgrund seiner unbeholfenen Interviewversuche beim Personal unbeliebt macht und gegen eine Neunjährige beim Schach verliert. Ein Fremdkörper, der seine Wortkaskaden gerne mit nach meiner Ansicht mit frauenfeindlichen Formulierungen garniert. Bei ihm haben nur Frauen ein postkoitales Grinsen im Gesicht und er liebt es, bei Beschreibungen das Wort menstrual hinzuzufügen. Das Buch hat er Mitte der Neunziger geschrieben und damals mag so etwas noch exotisch auf die Leser gewirkt haben, so wie man im letzten Jahrhundert noch die Wilden in den Kolonien mit einer Mischung aus Faszination und Schrecken betrachtet hat. Mittlerweile ist der Typus salonfähig und sogar zum Vorbild geworden (die Wilden hatten auch ihre Zeit der Anerkennung und Verklärung). Sonst hätte eine Fernsehserie wie „Big Bang Theory“ mit ihrem Asperger geschädigten Sheldon Cooper als Helden niemals Erfolg gehabt. 

Damit komme ich schon zu den Gemeinsamkeiten dieser besonderen Form der Männer- und Frauenliteratur. Ich habe damit zufälligerweise zwei Bücher ausgewählt, die sich auf zwei extreme, aber leider gängige, Typen konzentriert. Beide haben gemeinsam, dass sie sich der Welt versagen und auf keinen Fall einfach mitmachen können. Dahinter steckt keine besondere Aussage oder Überzeugung, mit der man sein Verhalten rechtfertigt. Und das ist schade. Es ist einfach nur cool, schick oder weird ein bisschen anders als die anderen zu sein. Es ist einfach eine verquere Form des Individualismus. Andere lassen sich tätowieren, sammeln seltene Turnschuhmodelle von Adidas oder hüpfen in schwindelerregender Höhe auf den Auslegern von Baukränen herum.

Nimmt man die Frauenliteratur aus vergangenen Zeiten zum Vergleich, ging es beim dargestellten Individualismus darum, sich den gesellschaftlichen Konventionen zu versagen und depressiv zu sein (Virginia Woolfe). Geht man in der Zeit noch weiter zurück, schrieb sie darüber, wie sie den Mann, in den sie sich verliebt hat, auch heiratet und mit ihm glücklich wird. Die Ansprüche haben an Literatur haben sich wie die Gesellschaften stark verändert und deswegen muss Mann/ Frau  ständig neue Probleme kreieren, um ein Thema für ein Buch zu haben. Aber in diesem Punkt haben sich Frauen- und Männerliteratur noch nie unterschieden. Die Frage bleibt, ab wann Literatur nicht nur Selbstzweck ist, sondern gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen auch reflektiert und damit den eigentlichen Anspruch, den Literatur an sich haben sollte, verwirklicht.

Exposè

Ein Exposé zu schreiben ist mir immer schwer gefallen. Einerseits, weil es einen Roman auf das wesentlichste reduziert, anderseits, weil ich es immer nach Fertigstellung des Romans geschrieben habe. Ein grundlegender Fehler, den ich mit dem meinem neuen Werk nicht noch einmal machen wollte. Natürlich gibt es einen Unterschied, ob ich ein Exposé schreibe, um die Handlungsstränge zu modellieren oder ob ich mich damit bei einem Verlag bewerben will. In diesem Fall war es dann doch eher eine Bewerbung. Schließlich wollte ich meine schärfste Kritikerin beeindrucken. Ich habe vier Monate daran gefeilt. Erst dann fühlte es sich gut an. Und das ist erst einmal die Diskussionsgrundlage. D.h. nachdem Henni es gelesen hat, werden wir sehen, was davon aufrecht zu erhalten ist. Zwischendurch drängte sich mir die Ansicht auf, ich schreibe einen Agententhriller. Das ist das Problem beim Exposé. Man schreibt reine Handlungsstränge auf und weiß im Endeffekt nicht, wie man es mit Leben erfüllt. Es ist vergleichbar mit einem Drehbuch. Wenn ich Drehbücher von bekannten Filmen lese, denke ich immer, das da was fehlt. Es ist nur das Handlungsgerüst, höchstens noch die Dialogvorgabe. Die Inszenierung passiert an anderer Stelle. Man braucht erst einmal einen Fahrplan. Mein Fahrplan ist jetzt fertig und schlummert auf einem USB-Stick. Ich hoffe, Henni nimmt sich bald die Zeit und liest diese fünf Seiten. Ich freue mich auf ihre Rückmeldung. Es ist das erste Mal bei einem meiner Projekte, das ich bei der Entstehung die Hilfe eines anderen in Anspruch nehme. Ich denke, das zahlt sich aus. Bis sie sich meinem Exposé gewidmet hat, werde ich mich anderer Dinge widmen. Wie z.B. der Entwicklung des Dialogs zwischen Shaw und Cherry-Garrard. Dafür ist viel Vorarbeit nötig. Im Augenblick arbeite ich daran, diese Vorarbeit in ein kleines Zwischenprojekt zu packen und mich von dem ursprünglichen Projekt zu lösen.

 

Wie, du weißt nicht, wie die Geschichte weiter geht!?

Nachdem Henni meine dritte Version gelesen hatte, entstand eine neue Diskussion. Ich konnte Henni nicht wirklich erklären, worum es in der Geschichte eigentlich ging. Ich konnte ihr nicht plausibel die Zusammenhänge zwischen Figuren und ihren Taten erläutern.

Literarischen Sinn ergibt sich nur, wenn eine handelnde Person ein Motiv für ihr Handeln hat und literarisch interessant wird es erst, wenn mehrere handelnde Personen mit verschiedenen  Motiven aufeinandertreffen. Und lesbar wird es erst, wenn es eine eindeutige Kausalkette gibt, die niemals abreißt. Viele schlechte Texte scheitern nicht an fehlenden sprachlichen Mitteln, sondern an mangelnder Kohärenz in ihren Kausalketten. 

Henni hat mich ertappt. Z.B. konnte ich nicht erklären, warum Alethea ein Roman über Scott schreiben will. Klar habe ich mir ein Motiv konstruiert. Sofia hat ihr es nahegelegt einen historischen Roman zu schreiben, um im Subtext eine politische Botschaft zu schreiben. Was für ein Quark. Alethea hat noch nie einen historischen Roman geschrieben. Ihre Leser erwarten von ihr Fantasygeschichten. Ihre Auftraggeber, eine staatliche Stelle, wird ihr das nicht erlauben, weil sie Angst hätten, dass sie daran scheitert, weil sie um die Fähigkeit ihrer Autorin wissen. Gleichzeitig braucht Alethea den Erfolg, um in der sozialen Hierarchie aufsteigen zu können. Sie kann es sich nicht leisten, auf eigene Faust ihren Stil zu ändern. Sie ist auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen der staatlichen Stellen angewiesen und hat gar keinen Freiraum, um Sofias blöden Ideen zu folgen.

 Ich habe die ursprüngliche Idee meiner Frau vorgestellt und sie hat mir meine Kausalkette sofort zerlegt und gezeigt, dass sie in das Nichts einer schlechten Geschichte führt. Ich spürte, was mir fehlt: Ein Exposé. Ich musste mir erst einmal selbst klar machen, wohin meine Geschichte führt. Die Handlungsstränge mussten logisch sein und klar die Motive der handelnden Personen erkennen lassen. Mit einem Exposé ist das möglich. Vor allem kann ich die Kausalketten immer wieder bearbeiten. Wenn ich einen Roman schreibe und ich stelle mittendrin fest, dass es dringenden Änderungsbedarf gibt, kann man das Ruder kaum noch herumreißen.

 

Spielverderber

Zwei Wochen im Sommer haben wir in der Toskana verbracht. Inmitten einer träumerischen Landschaft, sanften Hügeln, milden Gelbtönen von Ocker bis Sand, flirrendem Sonnenlicht, mittelalterliche Ansichten und Weinberge bis an den Horizont. Die meiste Zeit des Tages haben wir inmitten einer stillen Waldidylle auf einer überdachten Terrasse unseres Ferienhauses verbracht. Die Ruhe habe ich genutzt, um weiter an meinem Roman zu arbeiten. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr weiter zu kommen und habe das erste Kapitel Henni zum Lesen gegeben. Meine Frau hat ein ambivalentes Verhältnis zum meinem literarischen Schaffen. Gerade am Anfang unserer Beziehung schien es mir, als übe die Tatsache, dass sie einen Kerl kennt, der nicht nur ein Buch liest, sondern auch welche schreibt, einen gewissen Reiz auf sie aus. Damals hatten wir in jeder freien Minute eine Buch oder eine Zeitung in der Hand. Es gibt Fotos aus unserer Anfangszeiten, wo wir beide still versunken in unserer Lektüre am Frühstückstisch sitzen. Das ist echte Liebe. Und da fangen ja immer die Probleme an. Schreiben kostet Zeit. Autoren sind Eigenbrötler und wenn sie Schreiben, wollen sie dabei nicht gestört werden. Also musste Henni meine mürrischen Abweisungen in meinen Arbeitsphasen ertragen. Sie wurde zum Opfer meiner egomanischen Schreiborgien. Leider war das Ergebnis nicht so, dass sie das hätte verschmerzen können. Wäre es mein Beruf und ich könnte damit die Familie ernähren, wäre ihr meine Abwesenheit während meiner Anwesenheit am Laptop egal. Leider ist es immer ein für alle Seiten unbefriedigendes Hobby geblieben. Deswegen ist es schwer, von ihr Anerkennung zu bekommen. Das letzte Lob erhielt ich von ihr, als meine Kurzgeschichte in der epubli-Anthologie erschienen war. Euphorie sah übrigens anders aus.

 Jetzt hatte sie mein erstes Kapitel gelesen und abends, es war schon die Sonne hinter den Hügeln verschwunden, äußerte sie ihre vernichtende Kritik. Meine Romane seien unlesbar. Sie seien nach ihrer Ansicht viel zu aufwändig erzählt. Man könne der Geschichte nicht folgen. Ich erklärte viel zu viel. Der Leser brauche viele Leerstellen, die seine Phantasie anregen und nicht ständig psychologische Ausführungen, warum einer etwas mache. Ich könne meine Romane eigentlich verbrennen. Sie seien absolut sinnbefreit. Aber meine Kurzgeschichten seien sehr gut. Ich solle entweder nur Kurzgeschichten schreiben oder Romane, die wie meine Kurzgeschichten sind. Nach der Kritik trank ich mein Glas Chianti sehr schnell aus und formulierte angefressen meine Gegenkritik. Menschen, die selbst einen hohen intellektuellen Anspruch an sich haben (dabei ist es egal, ob sie ihn erfüllen können oder nicht) reagieren bei der leisesten Kritik wie eine beleidigte Leberwurst und versuchen den Kritiker jegliche Kenntnis der Materie abzusprechen. Meine Frau ist an der Stelle ziemlich mitleidslos. Es prallt alles an ihr ab. Sie lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Also müsste ich nach dem Genuss einer halben Flasche Wein begreifen, dass ich selbst eine Flasche bin. Ich war ziemlich beleidigt und reagierte die nächsten Tage sehr eingedrückt, bis ich begriff, dass sie es gut mit mir meinte und nur das Beste aus mir heraus holen wollte. Ich nahm mir ihre Kritik zu Herzen und schrieb innerhalb weniger Tage die dritte Version des ersten Kapitels. Ich ging mit ihr Abschnitt für Abschnitt durch und sie fand es akzeptabel. Ich hatte mich auf die wesentlichen Elemente der Erzählung konzentriert und alles Überflüssige mit der Löschtaste aus meinem Roman heraus gekickt. Unter der Prämisse, dass der Leser neugierig werden soll, weil er nur Andeutungen erhält, habe ich meine sehr ausschweifenden Ausführungen über den Ökostaat und dessen Struktur herausgeworfen. Auch habe ich den langatmigen Abschnitt über Aletheas Entwicklung zur Schriftstellerin entfernt. Darin waren auch Äußerungen über die Geschehnisse, die zur Entstehung der Gesellschaftsform führten, enthalten. Ich habe viel Platz verwendet, um zu erzählen, wie Alethea mit der offiziell nicht existenten Madenopposition in Berührung kommt. Diesen Teil werden ich noch einmal aufarbeiten müssen. Dabei ist die Begegnung von elementarer Bedeutung, denn sie ist Teil der Dramaturgie. Allerdings sollte ich es nicht wie eine Räuberpistole schreiben. Auch beim letzten Teil, den Besuch bei Sofia, werde ich mir noch etwas einfallen lassen müssen, um es in den Rahmen der Geschichte besser einpassen zu können.  

 

Prognose

Die Prognose

 

Dunkelheit

zieht durch die Wohnstuben.

Die letzten Jahre meiner Jugend

verlieren sich in Finsternis.

Viel schwerer

als der Verlust meiner Jugend,

wiegt das Gewicht der Prognose.

Die Prognose der Geschichte,

die besagt,

das sich alles zum Schlechten wendet,

und nichts zum Guten

 

Katastrophen finden ihren Anfang

in beiläufigen Handlungen.

Der Wettermann kündigt den Sturm an

und niemand sucht Schutz,

sondern verliert sich in den Geschäften des Alltags.

Erst wenn der Winter

in die Herzen deiner Liebsten einzieht,

ihre Antlitze zu Stein gefrieren,

ihre Münder sich verschließen,

ihre Blicke sich senken,

Erfüllt sich die Prognose

und wird zur Prophezeiung.

 

Doch dann ist es für alle zu spät.