Da reitet er wieder…..

Seit fast einem Jahr habe ich auf meinem Blog nicht mehr über meine literarischen Bemühungen geschrieben. Wahrscheinlich haben sich schon einige Leser gefreut. Gottseidank, er hat es eingesehen und aufgegeben. Aus jeder seiner Zeilen konnte man die schiere Verzweiflung über das eigene Unvermögen herauslesen.

 Ich muss Euch alle enttäuschen. Natürlich feile ich noch oder wieder an dem nächsten großen literarischen Wurf.

 Nach der letzten Blamage habe ich voller Euphorie die Arbeiten zu einem neuen Roman angefangen. Meine Zuversicht kannte kein Halten mehr und als sie es sich gewagt hat mit einem Stück Torte mit fetter Sahne und einer Tasse heißen Kakao sich für die ersten dreißig gelungenen Seiten zu belohnen, wurde sie von meiner wütenden Ernüchterung von hinten angegriffen. Ihr Gesicht landete in dem Stück Torte und meine Ernüchterung hielt ihren Nacken solange im Würgegriff bis sie an der Sahne zu ersticken drohte.

Wie lautete meine geniale Idee für meinen genialen Roman: ich wollte einen Roman über eine Tiefkühltruhe schreiben. Für mich gehört die Tiefkühltruhe zu meiner eigenen Geschichte und steht für mich stellvertretend für die Zeit meiner Kindheit. Die Tiefkühltruhe ist für mich ein Symbol für wahnhaften Konsum, Verschwendung und (da kommt keiner drauf) Kälte!!! Dieses große brummende Ding stand früher bei vielen Familien im Keller, fraß Strom wie ein Nimmersatt und wurde mit Eis und Tiefkühlwaren vollgestopft. Einmal im Jahr musste man die Wanne enteisen und schmiss dabei die Dinge weg, die man vor Jahren mal eingelagert hatte. Dann war die Wanne wieder leer und kurz darauf stand der Eismann oder der Kerl von Bofrost vor der Tür. Sie witterten große Geschäfte, denn die Truhe musste wieder vollgepackt werden.

Die Geschichte einer Kühltruhe ist schnell auserzählt und wird höchstens für eine Kurzgeschichte reichen. Es braucht schon Menschen, die in irgendeiner Beziehung zur Kühltruhe stehen. Und da fangen meine Probleme wieder an. Habe ich mir doch wieder eine dysfunktionale Familie ausgesucht: Gefühlskalte Eltern und einen Sohn, der von seinen Eltern abgelehnt wird. Dieses Setting steht bei mir immer am Anfang und es ist wahrscheinlich meiner eigenen Familiengeschichte geschuldet, dass ich es immer wieder als Ausgangsmaterial nutze. Darin liegt schon einmal der erste große Fehler. Gefühlskalte Menschen, die einer Kühltruhe entsteigen, sind nicht wirklich spannend. Sie sind langweilig, haben nichts zu bieten, außer stumpfsinnige Ahnungslosigkeit.

 Ohne mir weitere Gedanken zu machen, habe ich erst einmal vierzig Seiten geschrieben. Der Sohn ist natürlich selbst Vater und heillos verstrickt in seiner eigenen Herkunftsgeschichte. Daher kann er kein guter Vater und Ehemann sein. Er versucht es und steht immer am eigenen Abgrund. Das gibt einem Autor natürlich gutes Futter: ein Drama jagt das nächste. Es folgt ein wilder Ritt durch das Leben des Protagonisten, jedes Drama erzeugt ein neues Drama, atemlos, schnelle Schnitte, ein unentwirrbarer Knäuel an Konflikten. Allen wird es schwindlig und jeder will wissen, wie die Geschichte weiter geht.

 Wenn ich ein guter Schriftsteller wäre, könnte ich mich für diese wahnsinnig gute Idee bei mir selbst bedanken. Ausgehend von einer Kühltruhe drehen wir einen rasanten Actionfilm. Aber ich bin kein guter Schriftsteller und mit schnellen, rasanten und chaotischen Geschichten heillos überfordert. Nicht mein Protagonist hechelt atemlos durch die Ereignisse und sondern sein Schöpfer. Nun habe ich nach einem dreiviertel Jahr Arbeit an dem Text erkannt, dass ich wieder mal einen Schritt zurückgehen muss. Die rasanten Geschichten sind lahm und inhaltsleer. Der nachvollziehbare Rahmen fehlt (wie immer). Also schreibe ich wieder einmal die Geschichte über die Geschichte, um mir klar zu werden, was ich eigentlich erzählen will und warum dieser Typ so heillos durch sein Leben irrt und diesmal haben die Eltern nicht die schuld…

Am Ende meiner Überlegungen steht die Idee kleine Kurzgeschichten, kurze Szenen, Beschreibungen und Betrachtungen zu verfassen und diese hier zu veröffentlichen. Ihr, meine Blogleser, könnt an der Entwicklung des Romans teilhaben. Dafür hatte ich den Blog irgendwann begonnen. Ich wollte die Arbeit eines Autors (auch wenn er ein Dilettant ist) sichtbar machen und in Austausch mit potentiellen Lesern treten. Daher wird es Zeit, diese Grundidee wieder mit Inhalt zu füllen. Ich freue mich riesig darauf.

4 Gedanken zu “Da reitet er wieder…..

  1. Also ehrlich gesagt, habe ich einen solchen Beitrag eher vermisst, was mir natürlich nicht durchgehend gegenwärtig war. So bin ich nun auf die Kurzgeschichten schon gespannt. Ich habe einmal aus Kurzgeschichten einen Roman gebastelt, der eine „Übergeschichte/Person mit allen verbunden hat. Ist das irgendwie klar formuliert? Ich finde ihn gelungen, auch wenn ihn kaum jemand liest, was auch an meiner Unfähigkeit zur Selbstvermarktung liegen könnte. Sei`s drum!

    • Ich habe solche Beiträge auf meiner Seite auch vermisst…weil es heißt, dass ich wieder Literatur mache…grundsätzlich ist das mein Gedanke: Aus Miniaturen entwickelt sich ein Roman! Wo kann man denn deinen Kurzgeschichten-Roman finden? Würde ihn gerne lesen?

      • Zuerst hatte ich die verschiedenen Kurzgeschichten, deren Charaktere nichts gemein hatten außer dass sie fast alle an einem Wendepunkt angelangt waren. Diese hatte ich in meinem Kollegium ausgelegt und wurde gefragt, wie das denn mit den einzelnen Personen weiterginge. Ich könne doch nicht mittendrin aufhören, wenn es gerade spannend sei. Also benötigte ich einen Punkt oder eine Person, zu dem/der alle einen Bezug hatten – Lehrerin VHS. Mein nächster Wunsch war zu zeigen, wie falsch der erste Eindruck, die Bewertung von Menschen und deren Leben sein kann. Dazu habe ich dann von jedem Mitspieler die Kurzgeschichte eingefügt. Und weil sich dort Menschen mehr oder weniger zufällig über den Weg laufen und nur beschränkte Aspekte teilen, nannte ich den Roman „Kreuzverkehr“. Wenn dir das zu konfus erscheint, kannst du dich noch umentscheiden.
        Das Buch ist erhältlich bei amazon books on demand.

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