Der Sommerurlaub ist für mich die einzige Möglichkeit, meine Leserückstände abzuarbeiten. Neu erstandene Lektüre landet bei mir ungelesen auf einer Ablage auf der Rückseite meines Bettes. Im Laufe des Jahres wächst dort ein unschöner Turm aus Papier und Buchdeckeln heran. Irgendwann ist er so hoch, dass er Nachts zusammenbrechen und auf mein Haupt fallen könnte. Dann weiß ich, dass der Sommerurlaub in greifbarer Nähe ist.
Zu zweiten Mal haben wir uns in der Toskana ein Haus für zwei Wochen gemietet. Neben unserem umfangreichen Ausflugsprogramm gönnen wir uns freie Tage, die wir mit Lesen verbringen. Es ist auch die Gelegenheit mit meiner Frau Henrike ins Gespräch über Literatur zu kommen. Jeder von uns ist in seiner Lektüre vertieft. Irgendwann strengt das Lesen an und wir versuchen uns abzulenken.
„Und, wie ist es?“
“Was?“
“Das Buch“
„Ach so! Ganz gut.“
„Worum geht es da?“
Dann wird berichtet und der andere stöhnt.
„So ein Mist. Und so etwas liest du?“
Und weil wir beide einen hohen Anspruch an Literatur haben und es nicht grundsätzlich an der Qualität der Bücher liegt, um zu solchen drastischen Urteilen gelangen, vertrete ich die These, dass wir grundsätzlich immer nur die zu unserem Geschlecht passende Literatur lesen.
Frauen- und Männerliteratur, gibt es so etwas überhaupt? Darf man heutzutage unterstellen, dass die Frauen und Männer nicht nur unterschiedliches Gehalt bekommen, sondern auch unterschiedliche Literatur lesen? Ich finde schon. Allerdings sollte man nicht glauben, dass die jeweils eigene Literaturgattung besser ist.
Ich will hier zwei Beispiele aus unserer Urlaubslektüre heraus picken, um aus meiner subjektiven Sicht einige Merkmale, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Männer- und Frauenliteratur heraus zu arbeiten.
Meine Frau hatte zufälligerweise aus der Stadtbibliothek das letzte Buch von Sarah Kuttner mitgebracht (180 Grad Meer). Als Vergleichslektüre habe ich von David Foster Wallace „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ zu Rate gezogen.
Ich bin schon seit langem ein heimlicher Fan von Frau Kuttner. Ihre Sendung auf Viva habe ich damals inhaliert. Für mich ist sie so etwas wie die Wegbereiterin für solche Leute wie Böhmermann (der ja gerne über Frau Kuttner lästert). Ich fand sie äußerst witzig, intelligent und schlagfertig. Nach dem Ende der Sendung habe ich mich nicht mehr sonderlich für sie interessiert. Was nicht das Problem von Frau Kuttner sein sollte. Sie hat genug andere Fans und wird ganz bestimmt ohne mich auskommen.
Trotzdem grüße ich sie an der Stelle, während ich mit meiner eigenen Achselhöhle kuschele und den schmierigen Dunst meines ekelerregenden Schweißes einatme und ihr den Finger zeige, denn ihr Buch finde ich nur teilweise gelungen. Welches Problem habe ich mit dem Buch? Ich könnte ja jetzt das Vorurteil eines männlichen Intellektuellen in die Welt blasen und sagen, dass so Fernsehtussen nicht schreiben können. Aber nein so sehe ich das nicht. Egal was sie sonst so beruflich macht, sie schreibt nicht schlecht. Sie hat ihren eigenen Ton, beherrscht die moderne Art der Verknappung und setzt an den richtigen Stellen die Phantasie des Lesers in Gang. Manche Wortkreationen sind durchaus kreativ und lassen den Leser schmunzeln oder aufhorchen. Aber was stört mich an ihrem Buch? Sie schreibt in der Ich-Perspektive über eine Jule, eine wehleidige junge Frau, die sich allem versagt und nichts zustande bringen möchte. Sozusagen die moderne Version von der Prinzessin auf der Erbse. Die Männer nehmen alle Rücksicht auf sie. Ihr Bruder Jakob und ihr Freund Tim behandeln sie mit Samthandschuhen, bekommen ständig ihre Wut ab und müssen klein beigeben. Jule finde ich persönlich nicht sympathisch, aber die Autorin hat vollstes Verständnis für die Ungezogenheit und dämliche Motzigkeit ihrer Heldin und damit befinden wir uns voll in den Gewässern der Frauenliteratur, die sich an die Mittdreißigerinnen wendet, die aus lauter Trägheit und vor sich her getragener Unlust nichts erreichen möchte: Kein Beruf, keine Beziehung, kein Nachwuchs. Man lebt so vor sich her und beschwört andauernd die Schlechtigkeit aller Männer. im Zweifel lässt man sich gerne von den übelsten Kerlen begatten und findet dafür auch noch eine nette Begründung. Und dann wird noch die ganze Schuld an der eigenen Nicht-Existenz bei den Eltern abgeladen. Schließlich haben die sich ja scheiden lassen und haben vorher die Jule nicht gefragt. Der Vater ist der böse Mann, der abgehauen ist und noch einmal von vorne angefangen hat. Das Buch schleppt sich bis auf Seite 150 und dann erst besucht sie ihren todkranken Vater, mit dem sie sich eigentlich nur streiten will, um sich bestätigt zu sehen. Der Vater bringt sich um, ohne sich mit ihm versöhnt zu haben. Am Ende des Textes erwähnt ihre Stiefmutter, dass der Vater Jule während der Trennungsphase von ihrer Mutter immer ans von ihr geliebte Meer geschleppt hat. Sie erkennt darin die Verbindung zu ihrem Vater, schließt ihren inneren Frieden mit ihm und macht dann einfach so weiter wie bisher. Damit kann ich nichts anfangen. Alle Frauen, die im Leben nicht so richtig weiter kommen und mit Mitte dreißig immer noch in der Untätigkeit festhängen, werden da vielleicht Beifall klatschen und sich mit Jule identifizieren können. Frau Kuttner wird für solche Frauen auch gleich zur Ikone, weil sie ihnen ja die beste aller Lösungen für ihre Probleme bietet. Bleib einfach so wie du bist. Bette dich auf deine zehn Matratzen und bleib da liegen. Ist schon in Ordnung.
Die Männerliteratur schneidet nicht besser ab. David Foster Wallace und sein Buch „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ bildet das andere männliche Extrem ab. Herr Foster Wallace gebührt für sein alles überragendes monolithisches Werk „ein unendlicher Spaß“ meine vollste Verehrung und auch „Schrecklich amüsant…“ liest sich anfangs ganz passabel. Es handelt sich um eine Reportage über eine Kreuzfahrt, eine Auftragsarbeit für eine Zeitung, die Herr Foster Wallace scheinbar nur widerwillig übernommen hat. Wie immer bei Herr Foster Wallace bleibt einem das Lachen im Hals stecken oder es kommt erst sehr spät aus dem Hals herausgefallen. Herr Foster Wallace hat einen offenkundig hintergründigen und teilweise bösartigen Humor, der sich hinter grellen Wortschöpfungen und umständlichen Beschreibungen verbirgt. Das macht ihn aus und dafür lieben ihn seine Fans, zu denen ich durchaus gehöre. Allerdings geriert er sich in dem Buch als den Typ des soziopathischen, hyperintelligenten Nerd, der sich ganz naturgemäß auf einer Kreuzfahrt nur bedingt wohlfühlen kann. Und das ist typische Männerliteratur. Er stellt den lebensunfähigen Freak dar, der sich allzu gerne in seiner Kabine verkriecht, sich beim Abendessen blamiert, sich aufgrund seiner unbeholfenen Interviewversuche beim Personal unbeliebt macht und gegen eine Neunjährige beim Schach verliert. Ein Fremdkörper, der seine Wortkaskaden gerne mit nach meiner Ansicht mit frauenfeindlichen Formulierungen garniert. Bei ihm haben nur Frauen ein postkoitales Grinsen im Gesicht und er liebt es, bei Beschreibungen das Wort menstrual hinzuzufügen. Das Buch hat er Mitte der Neunziger geschrieben und damals mag so etwas noch exotisch auf die Leser gewirkt haben, so wie man im letzten Jahrhundert noch die Wilden in den Kolonien mit einer Mischung aus Faszination und Schrecken betrachtet hat. Mittlerweile ist der Typus salonfähig und sogar zum Vorbild geworden (die Wilden hatten auch ihre Zeit der Anerkennung und Verklärung). Sonst hätte eine Fernsehserie wie „Big Bang Theory“ mit ihrem Asperger geschädigten Sheldon Cooper als Helden niemals Erfolg gehabt.
Damit komme ich schon zu den Gemeinsamkeiten dieser besonderen Form der Männer- und Frauenliteratur. Ich habe damit zufälligerweise zwei Bücher ausgewählt, die sich auf zwei extreme, aber leider gängige, Typen konzentriert. Beide haben gemeinsam, dass sie sich der Welt versagen und auf keinen Fall einfach mitmachen können. Dahinter steckt keine besondere Aussage oder Überzeugung, mit der man sein Verhalten rechtfertigt. Und das ist schade. Es ist einfach nur cool, schick oder weird ein bisschen anders als die anderen zu sein. Es ist einfach eine verquere Form des Individualismus. Andere lassen sich tätowieren, sammeln seltene Turnschuhmodelle von Adidas oder hüpfen in schwindelerregender Höhe auf den Auslegern von Baukränen herum.
Nimmt man die Frauenliteratur aus vergangenen Zeiten zum Vergleich, ging es beim dargestellten Individualismus darum, sich den gesellschaftlichen Konventionen zu versagen und depressiv zu sein (Virginia Woolfe). Geht man in der Zeit noch weiter zurück, schrieb sie darüber, wie sie den Mann, in den sie sich verliebt hat, auch heiratet und mit ihm glücklich wird. Die Ansprüche haben an Literatur haben sich wie die Gesellschaften stark verändert und deswegen muss Mann/ Frau ständig neue Probleme kreieren, um ein Thema für ein Buch zu haben. Aber in diesem Punkt haben sich Frauen- und Männerliteratur noch nie unterschieden. Die Frage bleibt, ab wann Literatur nicht nur Selbstzweck ist, sondern gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen auch reflektiert und damit den eigentlichen Anspruch, den Literatur an sich haben sollte, verwirklicht.



Erst Jahre später, nach der Geburt meiner großen Kinder und nach dem Ende meiner ersten Ehe, lernte ich jemanden kennen, der die Leidenschaft für das Theater mit mir teilte. Henrike war keine Unbekannte. Doch hielt sie sich jahrelang im Hintergrund. Zwischendurch war sie nach München ausgewandert. Kurz bevor sie meine Bühne betrat, war sie wieder in ihre alte Heimat gezogen. Sie lebte mitten in der Innenstadt von Gießen, nur einen Steinwurf vom Theater entfernt. Über einen gemeinsamen Freund kam wieder ein Kontakt zustande. Wir hatten uns über den Winter und Sommer immer wieder am Wochenende mit anderen gemeinsamen Bekannten getroffen und die Abende in Kneipen und Lokalen in Gießen und Marburg verbracht. Im Sommer trafen wir uns ohne Freunde. Zwischen uns entstand schnell eine Vertrautheit und Direktheit, die ich noch bei keinem anderen Menschen erlebt hatte. Henrike war das Gegenbild zu den Zombies auf dem Sofa. Man konnte mit ihr gemeinsam Dinge gedanklich durchdringen. Wir redeten und diskutierten, rauchten Rillos und tranken, stellten fest, dass wir beide seit Jahren den Spiegel jede Woche von vorne bis hinten lasen (sie von vorne nach hinten und ich von hinten nach vorne. Mittwochs treffen wir uns meistens in der Mitte des Heftes) und dass wir uns gleichermaßen zu Literatur und Theater hingezogen fühlten. Ich habe lange gedacht, dass wir eine rein intellektuelle Beziehung haben und habe gar nicht merken wollen, dass Henrike mehr in mir als einen netten Gesprächspartner sah. Ich fühlte mich ihr nahe. Mein Instinktsystem war allerdings auf zickige und anstrengende Frauen ausgerichtet. Eine krasse Fehlschaltung in meinem Hirn, die mich eine vollkommen psychisch deformierte Frau hat heiraten lassen. Mir hat mal eine Frau gesagt, dass sie sich immer in Typen verliebt, die sie schlecht behandeln, weil sie es verdient hätte. Ihr war vollkommen bewusst, dass ihr Verhalten krank war und doch hat sie sich immer diese brutalen Idioten ausgesucht. Ich war nicht viel besser. Ich wartete auf die nächste Katastrophe von Frau, um sie zu heiraten. Henrike blieb hartnäckig und Anfang Dezember hatte ich mich unsterblich in diese kleine Frau verliebt. Danach folgten Jahre mit Schmetterlingen im Bauch und auch heute noch kann ich keinen Tag ohne ihre Gegenwart auskommen. Ich habe am Anfang darauf gewartet, dass dieses Gefühl der Vertrautheit aufhört und die Beziehung zu einer Anhäufung von Ritualen und Gewohnheiten verkommt. Ich war misstrauisch. Ich hatte keine anderen Erfahrungswerte und war fast enttäuscht, dass ich nicht aufhören konnte, mich geborgen und aufgehoben zu fühlen. Mit dem Beginn unserer Beziehung etablierten wir regelmäßige Theaterabende. Zu dem Zeitpunkt war die jetzige Intendantin des Stadttheater Gießens noch nicht lange in Amt und Würde und es schien ein neuer Wind im Theaterbau am Berliner Platz zu wehen. Frau Miville hatte damals ein Händchen für Inszenierungen, die das Theaterpublikum in Gießen aufmischte. Sie hatte in ihrem Schauspielensemble interessante Charakterköpfe zusammengebracht, mit denen man im Stande war, mehr als das übliche Standardrepertoire zu reproduzieren. In unserer ersten Spielzeit als Abonnenten gab man „der Balkon“ von Jean Genet. Ein selten gespieltes und radikales Stück, mit dem man Aufmerksamkeit erregen konnte. Es gab einen Haufen Scheiße (Wahrscheinlich aus Nougat), der von einer Prostituierte in das Gesicht eines Freiers gedrückt wurde. Es gab eine blutige und nackte Leiche, die sich ungefähr ein Stunde mit verzehrten Gesicht in einem Rednerpult aus Plexiglas zu Schau stellte. Es gab Revolution und viel Chaos auf der Bühne. Ein Teil des Publikums war aufgebracht. Weil man ja schließlich ins Theater ging, um keine Überraschungen zu erleben, verließ man in der Pause wutentbrannt das Theater. Der Rest blieb und feierte am Ende der Aufführung frenetisch den Mut eines Ensembles, das dieses merkwürdige Stück Theater mit Verve und Engagement auf die Bühne gebracht hatte. Ab da waren wir Fans des Stadttheaters und sind es bis heute, auch wenn viele interessante Mitglieder das Ensemble verlassen haben und man mittlerweile eher gefällige Inszenierungen erlebt. Die örtliche Nähe des Theaters hat uns den Besuch erleichtert. Manchmal sind wir fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung losgelaufen, um noch rechtzeitig vor Schließung der Türen in den Zuschauerraum zu gelangen. In dieser Zeit haben wir Sonntagsmorgen nach dem Frühstück häufig die Gelegenheit genutzt und die Einführungsmatinee zu den neuen Stücken besucht. Für uns eine wichtige Möglichkeit geistige Nahrung für unsere unzähligen Gespräche zu erhalten und Schauspieler in der Auseinandersetzung mit den Stück außerhalb ihrer Rollen erleben können. Manchmal hat man die Schauspieler beim Einkaufen in der Stadt gesehen. Damit war immer ein seltsames Empfinden verbunden, weil man sie vielleicht am Tag vorher auf der Bühne erlebt hat. Eine Zeitlang haben wir auch den Weg nach Frankfurt nicht gescheut, um die Vorstellungen des Frankfurter Schauspiels zu sehen. Henni hatte mir damals Karten für eine Aufführung des Rimini-Protokolls geschenkt, die dort im kleinen Haus „das Kapital“ inszeniert haben. Ein phänomenales Erlebnis einer damals noch vollkommen neuen Art, Stücke auf die Bühne zu bringen. Ein weiteres Highlight sollte die Aufführung von Jelineks „Ulrike Maria Stuart“ sein. Das Stück hatte mich damals in seinen Bann gezogen, da ich mich zu der Zeit viel mit der Geschichte der RAF beschäftigt habe. Allerdings fiel die Inszenierung zu den populären Inszenierungen in Hamburg und München vollkommen ab. Wir haben noch einige andere Stücke in Frankfurt gesehen, uns am Großstadttheater erfreut und trotzdem sind wir immer wieder nach Gießen zurückgekehrt. Vor ca. elf Jahren hat Henrike die Idee gehabt, dass wir uns doch ein Theaterabonnement leisten sollten. Sie hatte sich damals ausgiebig informiert, welche Möglichkeiten wir haben und an der Theaterkasse zufällig den richtigen Zeitpunkt erwischt, um sich die Plätze 58 und 59 in Reihe drei zu sichern. Wir waren plötzlich stolze Theaterabobesitzer und sind es geblieben. Ein Jahr später sind wir nach Wetzlar gezogen, in den folgenden Jahren sind unsere drei Kinder auf die Welt gekommen. Wir sind unseren Plätzen in Reihe drei treu geblieben und haben nur wenige Aufführungen verpasst. Heute Vormittag waren wir zum ersten Mal mit allen Kindern zu einer Aufführung. Jule, unsere älteste Tochter, hat im Sommer zwei Eintrittskarten für das Weihnachtsstück gewonnen. Ich hoffe, dass meine Kinder etwas von unserer Leidenschaft fürs Theater mitbekommen und vielleicht lernen, das mein kein Konsumzombie sein muss, sondern dass es viele Wege gibt, sich mit der Welt auseinander zu setzen. Was hat das jetzt mit meiner Liebe zum Leben zu tun? Von meiner Jugend an, bis zu meinem fünfunddreißigsten Lebensjahr, habe ich mich immer bedroht gefühlt. Es war schwer, den Angstangeboten zu widerstehen, sich nicht dem Weltschmerz hinzugeben. Im Theater gibt es viele Momente der Verzweiflung, aber auch Momente der Erlösung und der Befreiung. Theater heißt die Katharsis zu spielen, sich auf die Möglichkeiten der eigenen Existenz vorzubereiten. Das Unmittelbare des Theaters ist mehr als eine Übung. Das Drama macht die Extreme des Lebens deutlich und vermittelt die Erfahrung einer Dialektik, die der eigenen Lebenserfahrung am nächsten kommt. Im Gegensatz zu den Medien Fernsehen und Film, die Traumwelten fern der Wirklichkeit erschaffen, eher Trost vermitteln und ein einlullendes Phlegma erzeugen können, die uns apathisch werden lässt. Ich habe gelitten und den Schmerz erlebt, aber ich habe mir mein Leben angeeignet, so wie ich es im Theater bei vielen Protagonisten erlebt habe. Dadurch ist mein Leben reich an Erfahrungen und Erlebnissen, die mir für immer verborgen geblieben wären, wenn ich keinen Widerstand geleistet hätte und immer noch auf dem Sofa läge, um die nächste Tüte Chips zu öffnen und nach der Fernbedienung zu greifen. 



