Einleitung

Die Fähigkeit Geschichten zu erzählen, gehört zu den erstaunlichsten Ausdrucksformen des menschlichen Geistes. Scheinbar aus dem Nichts entstehen Personen, Orte, Geschehnisse, die sich im Rahmen einer willkürlich gewählten Ästhetik zu einem eigenen Kosmos zusammenfügen.

Wie vieles, was uns umgibt, scheint die Fülle unserer Einfälle schier unendlich zu sein. Tausende Spielarten und Variationen ermöglichen ein praktisch jederzeit in jeder Ausprägung verfügbares Gut, das wenn es als Ware verstanden wird, seinen individuellen Wert rasch verliert.

Der Autor fabriziert, der Verleger bringt die Ware vom Produzenten zum Leser und der Leser konsumiert, die eine Hand am Buch, die andere Hand in der Chipstüte. Auf dem Weg vom Schreiber zum Leser geht der gute Geschmack, die Leidenschaft und das Herz der Geschichte verloren. Der Autor brennt nicht mehr für seine Geschichte, die er erzählen möchte, sondern schreibt sie, um den unstillbaren Hunger nach leicht verdaulicher Ware zu befriedigen. Eines sollte ich klarstellen: Ich liebe verlegte Bücher und hätte es nie einen mutigen Menschen gegeben, der meinen Lieblingsautoren vervielfältigt hätte, wäre ich heute ein armer Tropf und ich lese durchaus auch Autoren, die noch am Leben sind und halte mich nicht nur an die Toten.

Trotzdem wird seit Jahren Literatur, genauso wie viele andere kulturelle Ausdrucksformen, einer marktwirtschaftlichen Normierung unterworfen. Literatur passt sich dem Markt an. Man schafft Bedürfnisse, die nur durch gewisse Arten von Literatur gestillt werden können. Es gibt anscheinende immer mehr Literatur. Irgendwie können alle schreiben und wollen schreiben und ihren literarischen Auswurf umgehend veröffentlichen. Die digitale Technik macht es möglich. Zudem finden sich viele platte Trivialitäten in den seriösen Verlagsprogrammen wieder. Hauptsache Lustig und spannend oder mit viel Blut oder mit Vampiren oder mit Serienmördern. Trends, die sich abnutzen, Texte, die beliebig werden. Genauso, wie man T-Shirts in Bangladesh für ein paar Cent herstellen lässt und die bunten Lappen günstig aber mit hohen Margen als individuelles Kleidungsstück am besten mit Biosiegel verramscht, verramschen viele ihre Literatur, um mit aller Gewalt möglichst vielen Leser ein kurzweiliges Vergnügen zu verschaffen.

Ich will niemand den Spaß verderben. Bitte habt Spaß! Ich trage auch T-Shirts aus sonstwo, die mich neunneunundneunzig gekostet haben. Nur leider habe ich keinen Spaß, wenn ich in Buchläden die Titel lese. Deswegen breche ich eine Lanze für das Geschichtenerzählen. Die Leidenschaft, das Moment des Entdeckens, wenn einem wieder ein Detail einfällt, das sich so wunderbar in die Handlung fügt und doch so lebensecht wirkt, als wäre es dem Nachbarn wirklich gestern passiert. Deswegen schreibe ich diesen Blog. Ich will, dass Sie als Leser sehen, wie Literatur entsteht und mit welche Liebe und Zuneigung für ihre Geschichten die Autoren schreiben… Genießt es!!! Und habt Spaß!!

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2 Gedanken zu “Einleitung

  1. Da ist es ja gut, dass die Geschmäcker so verschieden sind. Auch ich stehe bestimmt nicht auf die Twillight Lektüre, aber veruteile ich auch nicht diejenigen, die sie lesen. Denn eins sollten wir bestimmt nicht vergessen, das Wichtigste hierbei ist doch, das überhaupt gelesen wird. Stellen Sie sich doch nur vor, bei allem Überfluss an Medien, von denen uns alles vorgekaut wird, wird dennoch gelesen und das Hirn benutzt und das alleine ist es schon wert, das Literatur auf den Markt geschmissen wird (egal welche und egal wieviele) oder etwa nicht?

    • Ich verurteile niemanden, der die Kulturtechnik des Lesens für sich nutzt. Ich bin auch nicht für eine willkürliche Beschränkung des Angebots. In meinem Text geht es darum, dass der alte Vertriebsweg Verlag sich selbst beschneidet, indem sie sich in ihren Verlagsprogrammen auf ökonomisch vielversprechende Genres und Themen konzentrieren.

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