Metaebene für Projekt X

Die Metaebene für mein Projekt X beruht auf der Annahme, dass gesellschaftliche Werte in rein dialektischer Form, als reine Gegensätze und Widersprüche konstruiert werden. Es gibt zu jeder positiven Eigenschaft ein negatives Gegenbild. Wir haben uns daran gewöhnt, Menschen in schön und hässlich, arm und reich, gescheitert und erfolgreich einzuteilen. Kategorien, die zuerst nur eine Einschätzung widergeben, die anfänglich nicht unbedingt eine gesellschaftliche Realität darstellt. Daraus ergeben sich verheerende Entwicklungen für die komplexen Vernetzungen zwischen Menschen, die aufgrund eines ständigen Drangs zur Vereinfachung nicht nur nach den simplifizierten Gegensatzpaaren kategorisiert werden, sondern allmählich zur gesellschaftlichen Relevanz und damit zur Realität werden. Der Vereinfachungstrieb hat uns Menschen erfasst und man könnte viele anthropologische Untersuchungen durchführen, um herauszufinden, ob dieser Trieb nicht im Menschen seit je her angelegt ist. Eine Tatsache ist auffällig: viele reden von der Intransparenz der Welt, als sei sie eine Entwicklung der Neuzeit. Dabei wird schnell vergessen, dass die Erkenntniskraft der Menschen schon immer auf ihr kleines Umfeld beschränkt war und es Menschen schwerfällt, über den Tellerrand zu schauen. Es gibt immer nur einige wenige, die mutig und neugierig genug sind, um die Welt außerhalb einer kurzen Reichweite zu entdecken. Ich befürchte, dass es sich um eine Ausrede handelt. Man bleibt in seiner Komfortzone, wenn man nicht hinschauen muss und kann schnell Urteile über Mitmenschen fällen. Haben wir nicht gelernt, dass der erste Eindruck bei der Begegnung mit einem Fremden sich im Folgenden bestätigt? Sie treffen einen fremden Menschen. Sie machen das tagtäglich dutzendfach. Sie gehen in den Supermarkt einkaufen und nehmen die anderen Kunden und die Angestellten des Supermarktes wahr. Wie viele Sekunden brauchen sie, um über jeden dieser Fremden ein Urteil zu fällen? Seien sie ehrlich! Es sind wenige Sekunden. Welche Etiketten kleben sie an die Fremden und welche Eigenschaften gestehen sie aufgrund der Etiketten den Menschen zu? Der guckt aber unfreundlich, man der hat auch so Falten auf der Stirn und die Klamotten, die der anhat, jetzt kauft er auch noch Zigaretten, ganz bestimmt Kettenraucher, wahrscheinlich auch noch Alkoholiker, siehste er hat sich eine Kiste Bier gekauft, ich kaufe mir immer nur einzelne Flaschen, eine ganze Kiste würde bei uns schlecht werden, dieses teigige Gesicht, ganz klar, der hat Probleme, wahrscheinlich schlägt er seine Frau….Wissen sie, ob der Mann nicht vielleicht gerade von der Arbeit kommt, noch seine Arbeitsklamotten trägt und er müde und gereizt ist, weil sein Tag sehr kräfteraubend war und er nur nach Hause will? Den Kasten Bier besorgt er sich für eine Feier, die er am Wochenende ausrichten will. Er hat alte Freunde eingeladen, die er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat und dies ist momentan seine einzige Freude. Wahrscheinlich wird jeder von den Gästen zwei oder drei Flaschen Bier trinken. Das Rauchen hat er schon vor Jahren aufgegeben. Allerdings gönnt er sich im Kreise seiner Freunde den Genuss, eine paar Zigaretten zu rauchen. Es mag ihm ein angenehmes Gefühl für den Moment geben. Am nächsten Morgen wacht er auf und denkt nicht an die Zigaretten, sondern an seine Frau, die letztes Jahr an Krebs gestorben ist. Er blickt auf die leere Stelle im Ehebett und es überkommt ihn der Schmerz und die Trauer darüber, dass er viel zu früh die Liebe seines Lebens verloren hat…..und sie haben aus dem armen Kerl einen gewalttätigen Säufer gemacht. Aber trösten sie sich: sie denken so, ich denke so und wir finden uns schnell bestätigt. Es gibt nur noch erfolgreiche, wohlhabende, schöne Menschen oder gescheiterte, arme und hässliche Menschen. Dazwischen gibt es recht wenig. Wir gestehen niemanden zu, dass unsere Einschätzung falsch ist und dass er einen Grauton abbildet. Es ist nicht nur so, dass die Durchdringung der Grautöne vermieden wird, es ist auch so, dass Menschen die Grautöne als Teil ihres Daseins ausschließen wollen. Alle streben nach der positiven Seite und bewundern die, die auf der vermeintlich positiven Seite wohnen. Ihnen wird auch nicht mehr die Möglichkeit des Scheiterns eingeräumt. Schauen sie sich Sportler an. Wehe sie werden zweiter oder dritter. Man ist fast beleidigt, wenn der persönliche Held oder die favorisierte Mannschaft verliert und gesteht ihnen nicht zu, das Scheitern zur sportlichen Karriere dazugehört und das aus der Niederlage ein erneuter Erfolg oder eine Läuterung erwachsen kann, die den Sportler zum interessanteren Menschen macht. Ist einmal jemand sozial abgestiegen, ist er abgestempelt und bekommt wenige Chancen zum sozialen Wiederaufstieg. Man ist sozusagen in seine Kaste hinein geboren worden und warum sollte aus einem Jungen mit Migrationshintergrund und mit Eltern, die noch nicht einmal richtig Deutsch können, eines Tages ein erfolgreicher Anwalt werden? Diese Optionen erkennen wir nicht mehr an. Alle Errungenschaften der letzten zweihundert Jahre Aufklärung scheinen sich langsam aufzulösen. Zum Glück gibt es die Grautöne und die Wirklichkeit bietet uns genügend Geschichten und Schicksale an denen man als Autor zeigen kann, dass ein wertvolles Leben, ein gut geführtes Leben von unendlich vielen Faktoren abhängt und es eigentlich nicht im Auge des Betrachters liegt, der leichtfertig sein Urteil fällt, sondern in der Perspektive desjenigen, der das Leben führt. Eine weiterer Aspekt: Wir fällen nicht nur ungerechte Urteile, wir schielen nach den Urteilen der Anderen und richten uns Handeln danach aus. Unser Handeln scheint holzschnittartiger zu werden und vollkommen auf Außenwirkung abgestellt. Wir beobachten und werden beobachtet. Wir legen keinen Wert mehr auf die Betrachtung der eigenen Innerlichkeit, des Selbstbildes. Meine Metaebene bildet einen Hintergrund, der vielfältige Ansatzpunkte bietet und es mir schwer machen wird, die Linie zu halten. Das ist meine Herausforderung und ich bin gespannt, ob ich beim Entwickeln der Geschichte zu jeder Zeit darauf Rücksicht nehme oder unweigerlich ins Ungefähre abschweife.

 

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Jean Paul Sartre – Der Ekel und die Metaebene Teil 3

Also kann man behaupten: Wäre der Ekel nur der Roman über die Depression eines Einzelnen und nicht die Beschreibung eines gesellschaftlichen Zustandes in der ein Einzelner hineingeworfen wurde, könnte man es zu recht ein langweiliges und schlechtes Buch nennen. Und letztendlich macht Sartre an Roquentin alles fest, was seine Philosophie ausmacht Nehmen wir folgende Textstelle:“Also, ich war gerade im Park. Die Wurzel des Kastanienbaums bohrte sich in die Erde, genau unter meiner Bank. Ich erinnerte mich nicht mehr, dass das eine Wurzel war. Die Wörter waren verschwunden und mit ihnen die Bedeutung der Dinge, ihre Verwendungsweisen, die schwachen Markierungen, die die Menschen auf ihren Oberflächen eingezeichnet haben. Ich saß da, etwas krumm, den Kopf gesenkt, allein dieser schwarzen und knotigen, ganz und gar rohen Masse gegenüber, die mir angst machte. Und dann habe ich diese Erleuchtung gehabt.

Das hat mir den Atem geraubt. Nie, vor diesen letzten Tagen, hatte ich geahnt, was das heißt: „existieren“. Ich war wie die anderen, wie jene, die am Meer entlangspazieren, in ihrer Frühjahrsgaderobe. Ich sagte wie sie:“Das Meer ist grün; dieser weiße Punkt da oben, das ist eine Möwe“, aber ich fühlte nicht, dass das existierte, dass die Möwe eine „existierende Möwe“ war; gewöhnlich verbirgt sich die Existenz. Sie ist da, um uns, in uns, sie ist wir, man kann keine zwei Worte sagen, ohne von ihr zu sprechen, und, letzten Endes, berührt man sie nicht. Wenn ich glaubte zu denken, dachte ich im Grunde gar nichts, mein Kopf war leer, oder ich hatte gerade nur ein Wort im Kopf, das Wort „sein“. Oder aber ich dachte…wie soll ich sagen? Ich dachte die Zugehörigkeit, ich sagte mir, dass das Meer zur Klasse der grünen Gegenstände gehörte oder Grün eine der Eigenschaften des Meeres war. Sogar wenn ich die Dinge ansah, war ich meilenweit davon entfern, daran zu denken, dass sie existierten: Sie waren für mich nur Dekor. Ich nahm sie in meine Hände, sie dienten mir als Werkzeuge, ich sah ihre Widerstände voraus. Aber das alles spielte sich an der Oberfläche ab. Wenn man mich gefragt hätte, was die Existenz sei, hätte ich im guten Glauben geantwortet, dass das nichts sei, nichts weiter als eine leere Form, die von außen zu den Dingen hinzuträte, ohne etwas an ihrer Natur zu ändern. Und dann plötzlich: auf einmal war es da, es war klar wie das Licht: Die Existenz hatte sich plötzlich enthüllt. Sie hatte ihre Harmlosigkeit einer abstrakten Kategorie verloren: sie war der eigentliche Teig der Dinge, diese Wurzel war in Existenz eingeknetet. Oder vielmehr, die Wurzel, das Gitter des Parks, die Bank, das spärliche Gras des Rasens, das alles war entschwunden; die Vielfalt der Dinge, ihre Individualität waren nur Schein, Firnis. Dieser Firnis war geschmolzen, zurück blieben monströse und wabbelige Massen, ungeordnet – nackt, von einer erschreckenden und obszönen Nacktheit.“

Hier hat Sartre einen wichtigen Aspekt seiner Philsophie anhand eines Parkbesuches des Herrn Roquentin näher beleuchtet und den Helden seiner Romanes einer Erleuchtung zugeführt, die fast in so etwas wie eine von halluzinierenden Drogen verursachten Höllentrip endet, weil sich die Existenz, das allgegenwärtige Monster, als wabbelige Masse oder Teig, die alles umgibt, nackt und eklig, sich ihm enthüllt. Das Bewusstsein kann niemals identisch mit den Dingen sein. Aus der Sicht eines Menschens, der in den Himmel blickt und denkt, kann das Sein kann sich nur in der Erscheinung andeuten, so bleiben das grüne Meer und die Möwe nur Umschreibungen. Weil er als Für-Sich existiert, aber in Distanz zum Sein lebt, bleibt seine Horizont begrenzt. Diese Spannung zwischen Bewusstsein und Sein bestimmt die grundsätzliche Welterfahrung des Menschen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass alles von Zufall getragen ist und der Mensch sich auf nichts anderes verlassen kann, als seine Freiheit, zu der er verurteilt ist, weil es keinen großen Plan gibt, mit dem er seine Handlungen rechtfertigen kann. Er muss in seiner kleinen von willkürlichen Regeln begrenzten Welt Entscheidungen treffen, deren Konsequenz er gar nicht abschätzen kann. Er sollte nicht versuchen, in Untätigkeit zu verharren. Roquentin Anstrengungen sich in der Einöde zu verbergen gehen gründlich schief. Er scheitert an seiner Existenz, weil er nicht handelt. Er ist der Bürger, der Ordnung und Halt sucht und spüren muss, dass es keine Ordnung gibt. Und am Schluss trifft er eine Entscheidung. Für mich das Fazit des Romans und der Sartreschen Philosophie und damit eine Metaebene, die sich wie ein roter Faden durch die melancholische Ansicht einer französischen Hafenstadt

Jean-Paul Sartre – Der Ekel und die Metaebene Teil 2

Und so geht es die nächsten hundertundachtzig Seiten weiter. Roquentin, ein unsteter Historiker, der sich nach vielen Reisen in die miefige Hafenstadt Bouville geflüchtet hat, um ein Buch über Monsieur Rollebon zu schreiben, der zu Zeiten eines Ludwigs im achtzehnten Jahrhundert als Hofschranze sein Unwesen trieb, beschreibt aus seinem Innersten heraus seine Welt und sein Verhältnis zu ihr und verzweifelt an seinen eigenen Widersprüchen. Es herrscht depressive Melancholie. Allen beschriebenen Personen haftet ein Missvergnügen an. Er beschreibt Personen wie Lucie, die Putzfrau, die die Ehe mit ihrem Mann, einem Alkoholiker, nur erträgt, wie den Autodidakten, über dessen unumstößlichen Humanismus er sich lustig macht und der einen verhängnisvollen Hang zu kleinen Jungs hat, oder Anny, seine vermeintlich große Liebe, deren Leidenschaft für ihn sich in Gefühlskälte verwandelt hat und die ihn beim Wiedersehenstreffen abblitzen lässt. Er geht durch die Ahnenhalle des Ortes und betrachtet die Portraits der lokalen Persönlichkeiten und stellt fest, dass sie nur ihre Pflicht erfüllt haben und daraus ein Recht auf Herrschaft abgeleitet haben. Es gibt keine Mitmenschlichkeit, keine Empathie, nur Gestalten, die seelisch verkrüppelt durch ihre Existenz humpeln. Verkürzte man das Buch darauf, ginge es um einen Misanthropen, der tausend Beweise für die Schlechtigkeit der Menschheit findet und sich in seiner Depression daran ergötzt. Jetzt kommt die Metaebene ins Spiel. Der Titel des Buches war ursprünglich „Melancholia“ und der ganze Hintergrund erinnerte an Dostojewski. Menschen, die sich an ihrem sinnlosen Leben abarbeiten und zum Scheitern verurteilt sind. Der Verleger schlug den Titel „der Ekel“ vor und hatte damit den richtigen Riecher. Der ursprüngliche Titel deutet darauf hin, dass Sartre sich von seiner eigenen Lebenserfahrung bei der Titelsuche hat überrumpeln lassen. Er war Lehrer in einer Hafenstadt und dort völlig fehl am Platz. Er schlug sich deswegen mit heftigen Depressionen herum. Nichts lag ihm ferner, als seine eigene missliche Lage in den Mittelpunkt eines autobiographischen Romanes zu stellen. Er konnte allerdings sehr genau an die eigene Situation anknüpfen, um seine philosophische Grundidee zu verdeutlichen. Sartre war in erster Linie Philosoph und alle seine literarischen Werke dienten seiner Philosophie. Und er war mehr Philosoph als die meisten seiner Zeitgenossen und Weggefährten und Vertreter der sogenannten Existenzphilsophie, die meines Erachtens zu recht immer als Etikett für eine Denkschule war, derer man ansonsten ihrer Vielfältigkeit nicht habhaft wurde. Zwei Beispiele fallen mir dafür ein: Camus war mehr Literat, seine philosophischen Werke sind voller Prosa und weniger bestrebt einer akademischen Philosophie gerecht zu werden. Bergson schien mehr Philosoph zu sein, allerdings haben seine Texte oft eine beinahe esoterische Note. Seine Lebensphilosophie berührte nicht immer die Inhalte der damaligen akademischen Philosophie. Sogar sein Adept Merlau-Ponty, der genauso wie Sartre sich auf Husserl bezog und der seinen Erfolge fast nur im akademischen Bereich der Philosophie hatte, schrieb politische Texte. Zuletzt sei Simone de Beauvoir genannt, die Romanes schrieb, die philosophische Themen aufgriffen (z.B. das Blut der Anderen), sich dennoch in autobiographischen Texten oder politische und feministische Manifeste (das zweite Geschlecht) verlor. Ein ernsthaft theoretisches Philosophiewerk ließ sie vermissen. Es war damals en Vogue mehr engagierter Literat als Philosoph sein zu wollen. Man wollte sein Wissen nicht nutzen, um vollkommen vergeistigt an der gesellschaftlichen Realität vorbei zu denken, sondern gesellschaftliche Missstände benennen und zu deren Behebung beitragen. Man mischte sich ein und letztendlich gelang die Veränderung. Mit Mitteln der Philosophie veränderte man das politische Denken einer ganzen Epoche. (s. z.B. Mai-Unruhen 1968 in Frankreich, die das Ende der De-Gaulle-Ära besiegelte).

Metaebene

Jede Geschichte sollte ihren Anstoß finden, in dem man eine Grundaussage zum Ziel der Geschichte trifft. Eine Metaebene der Geschichte ist absolut wichtig, um mittels einem Überbau dem Text eine Bedeutung und einen roten Faden zu geben. Ansonsten wirken Texte wie lieblos zusammen geschusterte literarische Ergüsse. Das sich im Laufe des Schreibprozesses die Schwerpunkte verschieben und andere Titel, Thesen und Temperamente sich zu der ursprünglichen Grundaussage hinzugesellen versteht sich von selbst und trotzdem sollte man den Ursprung und Grundaussage der Geschichte niemals aus dem Blick verlieren. Leider kommt das oft vor und am Ende des Tages, wenn alles zusammengerechnet und wieder abgezogen wird, bleibt oft ein dummer Rest übrig, der sogar der Grundaussage widersprechen kann. Deswegen sollten manche Autoren lieber zweimal nachdenken, bevor sie weiterschreiben und nur literarischen Auswurf fabrizieren.

Die Metaebene ist zuerst ein tendenziöser Schlag ins Kontor der Befindlichkeiten. Ich wage mich hervor und gehe damit ein Risiko ein. Hier offenbart sich die Gesinnung des Autors, sein Sendungsbewusstsein, das ihn um seine Reputation bringen kann. Vielleicht liege ich schon hier daneben und gebe mein Werk der Lächerlichkeit preis. Die guten Autoren, die echten Schriftsteller, sind an dieser Stelle den billigen Massenschreiberlingen haushoch überlegen. Sie bieten echte Angriffs- und Indentifikationsflächen, je nach Gesinnung des Lesers. Die schlechten Autoren sind schon in diesem frühen Stadium an ihrer Oberflächlichkeit gescheitert und können den Leser höchstens noch unterhalten. Ich kann mich noch erinnern, dass Schriftsteller vor ca. dreißig Jahren bei jeder Gelegenheit an ihrer Grundaussage gemessen wurden und ständig die Frage gestellt bekamen, welche Absicht sie mit ihrem Buch verfolgten. Schriftsteller verwiesen den Frager auf ihr Buch, das sich selbst erklärt und ließen den Frager gegen die Wand prallen. Die Unterhaltungsschreiber fingen an, ihr Buch selbst zu interpretieren. Die Metaebene muss sich selbst erklären, sich auf jeder Seite des Textes offenbaren und sogar den beschränktesten Leser auf die richtige Spur bringen. Der eine wird sich damit voll und ganz identifizieren und der andere wird es verärgert zur Seite legen. Dann hat der Autor alles richtig gemacht. Erst wenn er versucht, jedem Leser und Kritiker mit hübschen Banalitäten einen Gefallen zu erweisen, wird seine Unfähigkeit deutlich. Die Quintessenz der Metaebene heißt also, Risiko lohnt sich. Ich stehe außerhalb, mein Denken wird deutlich, man soll sich daran reiben und im besten Falle sich damit identifizieren. Allerdings: Ein Buch verändert selten die Welt und die Menschen, aber: es kann Pflöcke in das Herz der Finsternis schlagen und dafür sorgen, dass sich in möglichst vielen Hirnwindungen der Leser etwas hängen bleibt.