Mijn eerste reis met de elektrische Auto…Teil 3 Urlaub 

Wir sind nun schon zum fünften oder sechsten Mal in Oostkapelle. Ich weiß, was mich in dem kleinen Ort erwartet und daher kann ich mich immer schnell akklimatisieren. Die klar strukturierte Landschaft, die dem Auge des Betrachters trotz ihrer Kargheit unzählige Details bietet, das maritime Klima, die salzige Seeluft erzeugen in mir schnell ein Wohlempfinden, das ich gerne genieße. Dabei vergisst man schnell, dass die Niederländer unter größten Anstrengungen und Opfer dieses Land dem Meer abgerungen habe.   Angesichts dieser Leistung scheint die Unfähigkeit vieler deutschen Kartoffeln, sich Veränderungen anzupassen, in dem sie sich mit neuen Zivilisationstechniken auseinander setzen, wie ein Hohn auf die Fähigkeiten der Menschheit. Lieber empören sich die Kartoffeln, anstatt einfach mal etwas auszuprobieren. Sie motzen über die E-Autos und dass Ihnen das Fahrgefühl eines Verbrenners weggenommen wird und damit ihre persönliche Freiheit, sie fabulieren über die Wasserstofftechnik, die sie abwarten wollen, sie entdecken ihr Gewissen als Verbraucher und erzürnen sich plötzlich über den Abbau der seltenen Erden, die für die Herstellung der Akkus benötigt werden, haben aber Jahrzehntelang den Raubbau von Rohstoffen in den entlegensten und ärmsten Gegenden der Welt mit einem Achselzucken goutiert, Hauptsache sie müssen nicht in ein Elektroauto steigen.

 Ich habe nach dem Frühstück mein Auto an eine Ladesäule gebracht. Nicht weit von unserem Ferienhaus liegen die Dünen und der Strand und davor befindet sich ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz mit einer Ladesäule.

 Die etwas altertümlich erscheinende Ladesäule ist frei. Es gibt kein Display, nur ein LED, dass mit verschiedenfarbig strahlt, um den Ladezustand anzuzeigen. Meine Shell-Karte funktioniert sofort, bis der Strom fließt dauert es eine Weil. Nach zwei langen Minuten steigt die Party und der Strom fließt. Ich schaue auf das Tachodisplay meiner ZOE (das Quietschen ist nicht mehr angebracht. Ich und meine Auto haben jetzt eine erwachsene Beziehung).

 Wir hatten einen langen Spaziergang am Strand eingeplant und da kommt mir die viereinhalb Stunden Ladezeit gerade recht.

 Am Strand, der Sonne und dem Wind ausgesetzt, laufen wir vier ca. Kilometer durch den nassen Sand, immer an der Wasserlinie entlang, nach Domburg.

 Domburg ist beliebter Ort für Touristen, mit Hotels, einer kleinen Fußgängerzone und unzähliger kleiner Restaurants, Eisdielen und Gaststätten. Für Oktober ist es zu warm und die Sonne strahlt ungehindert am wolkenarmen Himmel. Das zieht natürlich die Menschenmassen an, die die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genießen wollen, bevor die Finsternis, Regen und Kälte die unbarmherzige Seite des Herbstes offenbart.

 Wir setzen uns in ein kleines Cafe, trinken etwas und laufen durch den Wald, der hinter den Dünen liegt wieder nach Oostkapelle zurück. De Manteling ist ein Stück Waldidylle hinter den Dünen. Lange Alleen mit schiefen Bäumen, breiten Chauseen wechseln sich ab mit kleinen Pfaden, die durch niedrige Haine führen und auf der Hälfte des Weges im Wald liegt das Schloss Westhove inmitten eines Parks. Am Ende des Weges erreichen wir ziemlich abgekämpft und hungrig wieder den Parkplatz hinter dem Strand. Der Akku ist schon lange vollgeladen, der Parkplatz ist mittlerweile überfüllt, mein Parkticket schon seit zwei Stunden abgelaufen.

 In den Tagen darauf habe ich überall nach Ladesäulen Ausschau gehalten, um mir einen Überblick zu verschaffen. In all meinen Apps und Routenplanern wurden immer die gleichen Ladesäulen in Oostkapelle angezeigt. Ich habe mit dem Auto oder zu Fuß alle aufgesucht und war enttäuscht. Entweder gehörten die Ladesäulen zu Campingplätzen und Hotels und lagen auf beschrankten Parkplätzen oder es handelte sich um privaten Wallboxen.

 Nur an einem Hotel im Ortskern gab es eine frei verfügbare Ladesäule, zu Fuß ungefähr eine Viertelstunde von unserer Ferienwohnung entfernt. Ansonsten gab es überall an großen Parkplätzen, in zentralen Lagen, an Sehenswürdigkeiten ausreichend Ladesäulen. Gerade in Städten gab es mehr als ausreichend Ladesäulen, die ich auch alle mit meiner Shellkarte hätte nutzen können.

Ich bin also in der Woche nie in Schwierigkeiten geraten und mir stand zur jederzeit genügend Reichweite zur Verfügung, um wieder nach Hause zu kommen.

 Verglichen mit der Dichte an Ladesäulen bei uns in der Gegend, sind die Niederländer schon ein Stückchen weiter als wir.

 Z.B. waren wir im Watersnoodmuseum in Ouwekerk mitten in der Einöde, abseits der Hauptstraße. Das Museum schildert sehr eindrücklich die Auswirkungen der großen Sturmflut von 1953. Am Besucherparkplatz gab es zwei Ladesäulen. Während einem Museumsbesuch das Auto aufzuladen, finde ich sehr effektiv. Bei uns gäbe es an einem solch abgelegenen Ort keine Ladesäule.

 Ich bin kein großer Kenner des niederländischen Gemütes und die Niederländer sind mir manchmal ein Rätsel. Ich finde die Widersprüche und Brüche im gesellschaftlichen Handeln sind wesentlich frappierender und auffälliger als bei uns. Wir Kartoffeln neigen zum Konservatismus und Trägheit. Fortschritt und Veränderung macht uns eher Angst.

 Die Niederländer scheinen die Widersprüche ihres Handelns besser aushalten zu können.

 Ein paar Beispiele: In den Niederlanden könnte man durch die Affinität der Niederländer zum Radfahren den Eindruck bekommen, sie hätten die Verkehrswende schon hinter sich, die uns noch bevorsteht. In jedem größeren Ort gibt es regelrechte Fahrradautobahnen. Das Fahrrad hat immer Vorrang vor dem Auto. Leider ist dem nicht so. Genauso wie bei uns ist die Verkehrsinfrastruktur auf das Auto ausgelegt. Der öffentliche Nahverkehr, gerade in ländlichen Gegenden, wird genauso stiefmütterlich behandelt wie bei uns. Im Zug kann man im Regionalverkehr nicht ohne weiteres ein Fahrrad mitführen. Wir sind sogar mal mit unseren Fahrräder beinah des Zuges verwiesen worden, obwohl es ein Fahrradabteil gab.

Früher habe ich die Niederländer für ihre schönen und großzügigen Supermärkte bewundert. Vor fünfzehn Jahren gab es im Albert Heijn riesige Kühlregale mit Glastüren, um Energie zu sparen. Heute fällt mir allerdings auf, dass die Niederländer immer noch alles in Plastik verpacken. Das Brot, das Gemüse, Obst, alles wird in Plastik gepackt. Als hätte es in den letzten Jahren keine Diskussion um Plastikverpackungen gegeben. Während bei uns überall Unverpacktläden aus dem Boden sprießen und in Frankreich sogar Carrefour als größte Supermarktkette Unverpackt-Abteilungen hat, wird in den Niederlanden einfach alles in dünnes, transparentes Plastik gesteckt.      Auch bei der Ernährung sind die Niederländer eher wahllos. Es gibt wenig wirklich vergane oder vegetarische Speisen in Restaurants. Alles wird im Pflanzenfett frittiert (deswegen gibt es wahrscheinlich auch vegane Krokett) und trotzdem sieht man wenige übergewichtige Niederländer, während bei uns die Adipositas äußerliches Kennzeichen von Wohlstand ist und weite Teile der Bevölkerung befallen hat.

 Wenn man mit dem Fahrrad über die Osterschelde fährt, sieht man überall am Wegesrand Bauteile für Windräder liegen. Dort werden auf fünf Kilometer Länge mehr Windräder gebaut als in ganz Deutschland in einem Jahr. Die Niederlande hat eine lange Küste, viele menschenleere Gegenden und immer und überall weht Wind. Das Land der Windmühlen hat eine lange Tradition im Erzeugen von Energie aus Wind und trotzdem verbrauchen die Niederländer prozentual hauptsächlich Öl und Gas und erneuerbare Energien spielen eine untergeordnete Rolle und obwohl das Benzin mehr als zwei Euro pro Liter kostet, fahren nicht mehr Elektroautos auf den Straßen als bei uns.

 Vielleicht ist der Weg zu einer klimaneutralen Nutzung von Energie in den Niederlanden ein wenig kürzer bei uns. Aber trotzdem gibt es auch für die Niederländer viel zu tun. Vielleicht ist es nur mein subjektiver Eindruck, aber die Trägheit der Institutionen und der Menschen scheint nicht nur in Deutschland ein großes Problem zu sein.

 Nach einer Woche Erholung sind wir schweren Herzens wieder nach Hause gefahren. Ich gebe es zu: ich kann nach einer Woche keine Pommes mehr sehen und das Leben in einem kleinen Ferienhaus mit einer fünfköpfigen Familie kann anstrengend sein, insbesondere an Regentagen. Aber noch so eine Woche Urlaub hätte uns allen gut getan.

Auf der Rückfahrt gab es in Aachen noch einen kleinen Aufreger. Mit ca. 18% Akku und ca. 56 km Reichweite bin ich in Aachen angekommen. Auf dem Supermarktparkplatz war die Ladesäule belegt. Jetzt war ich doch wahrhaftig etwas nervös. Ich habe wild auf meinem Handy rumgetippt und in Googlemaps die vorher markierten Ladesäulen rausgesucht. Die nächste Ladesäule war angeblich an einer Shell-Tankstelle gleich um die Ecke.

 Die Ladesäule an der Tankstelle war zwar frei, aber leider nicht nutzbar. Wie ich nach längerem Herumprobieren herausgefunden hatte, konnte man die Ladesäulen nur nutzen, wenn man eine Kundenkarte der Tankstelle hatte.

 Beim Herumprobieren bin ich um mein Auto herum getänzelt, habe das Ladekabel rein und rausgesteckt und mit der Shellkarte herumhantiert.

 Ein Mann sprach mich an und fragte mich, ob ich lange laden müsse. Seine Verwandten aus Berlin müssten unbedingt ihr Auto laden, um nach Hause fahren zu können. Die Ladesäulen der Strawag, dem regionalen Versorger, seien alle ausgefallen. Mist, das waren die Ladesäulen, die ich als nächstes anfahren wollte. Während ich kurz Schnappatmung bekam, fragte er mich noch, wie das denn mit den Ladesäulen funktioniert. Okay? Wie sind diese Menschen mit ihrem Auto von Berlin hierher gekommen, wenn sie nicht mal wissen, wie das Laden funktioniert?

 Etwas zittrig habe ich mich ins Auto gesetzt und meine Tochter hat mich gefragt, ob wir jetzt noch nach Hause kämen. Um keine Panik aufkommen zu lassen, habe ich die Eco-Taste gedrückt und bin langsam vom Tankstellenhof runtergerollt, um den Weg zu den Strawag-Säulen zu suchen.

 Rund um die Verwaltung der Strawag gab es laut der App mindestens 10 Ladesäulen. Als wir dort angekommen waren. habe ich sofort eine freie Säule gefunden. Ein Sprinter hatte zwar schon den Chademo-Anschluss in Beschlag genommen, aber mein Typ2-Anschluss war noch frei.

 Die Zoe war schnell angeschlossen und doch ging es mit dem Laden nicht los. Das andere Fahrzeug hatte alle Ladekapazität in Beschlag genommen und ich war jetzt sozusagen in der Warteschlange.

 Ich wollte jetzt nicht den ganzen Tag in Aachen verbringen und darauf warten, bis der Sprinter vollgeladen war. Also bin ich mit meiner Tochter losgezogen und habe die Lage gecheckt. Wir haben nach einem Fußmarsch von zwanzig Minuten herausgefunden, dass die meisten Ladesäulen auf dem Gelände der Strawag dem Personal der Strawag vorbehalten waren. Auf der Hälfte der Strecke haben wir uns in einem Aldi etwas zu Essen geholt und sind zurückgelaufen und als meine Tochter mich überreden wollte, dass wir doch lieber nochmal weiter fahren sollten und ich total unentschlossen war, habe ich auf dem Kundenparkplatz der Strawag noch eine freie Ladesäule gesehen. Wir sind zu unserem Auto zurückgeeilt und gerade als ich den Stecker ziehen wollte, sehe ich auf dem Display, dass meine Zoe schon geladen wird. Erleichtert haben wir uns an der Haltestelle in der Nähe einen Bus in die Innenstadt gesucht und haben uns im Starbucks in der Nähe des Aachener Rathauses die Zeit vertrödelt, sind bei einem Asiaten Essen gewesen und haben ein wenig die Stadt erkundet.

 Nach zwei Stunden sind wir wieder weiter gefahren und abends waren wir gegen 19 Uhr zu Hause. Meine Frau und die beiden anderen Kinder sind mit dem Zug zurückgefahren. Diesmal hatte meine Frau sich eine andere Strecke herausgesucht und in s`Hertogenbosch mit den Kindern Mittagspause gemacht, um dann pünktlich nach Deutschland zu kommen. Diesmal hatte alles ohne Verzögerung geklappt und kurz nach dem wir nach Hause angekommen waren, habe ich die Drei am Bahnhof abgeholt.

 Der Urlaub lässt nur ein Fazit zu. Auch mit einem E-Auto kann man in den Urlaub fahren. Man braucht ein wenig Planung, ein wenig Mut zur Lücke, einen Plan B im Kopf und die Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzulassen.

Mijn eerste reis met de elektrische Auto… Teil 2 Die Reise

Am letzten Schultag vor den Ferien sollte es losgehen. Um kurz nach elf waren alle Kinder aus der Schule gekommen und ich konnte losfahren. Im Auto nehme ich meine dreizehnjährige Tochter, meinen sechsjährigen Sohn und unseren halben Hausstand mit. Meine Frau und meine zehnjährige Tochter stiegen fast gleichzeitig in den Zug von Wetzlar nach Frankfurt, um anschließend mit dem ICE nach Amsterdam zu reisen und von dort über Rosendahl mit dem Regionalzug die Endstation in Middelburg zu erreichen. Ich sollte mit dem Auto ca. eine Stunde früher in Oostkapelle ankommen, den Schlüssel für das Ferienhaus in Empfang nehmen und das Gepäck entladen und dann die beiden rechtzeitig gegen 19.30 in Middelburg abholen. Klingt nach Stress und straffer Zeitplanung und dabei sind Staus und Zugverspätungen noch nicht einmal berücksichtigt.

 Deswegen hatte ich mit meiner Frau ausgemacht, dass wir uns immer wieder per WhatsApp auf den neuesten Stand bringen.

 Wir brettern mit Tempo 100 über die Sauerlandlinie und bis zum Autobahnkreuz Olpe Süd kann man auch nicht schneller fahren, denn es reiht eine Baustelle an der anderen. Ich habe meinen Tempobegrenzer auf 110 gestellt, um den Akku meiner Zoe (jetzt erstirbt mein verliebtes Quietschen schon in einem stimmlosen Quieken) zu schonen und kann auf der rechten Spur bequem bis zur A4 spazieren fahren. Auf der A4, die zweispurig bis nach Köln führt, kann ich mich nicht immer an meine Regel halten. Wenn ich einen LKW überhole, kommen von hinten Fahrzeuge mit höherer Geschwindigkeit herangeprescht und drängeln. Also schiebe ich den Begrenzer manchmal hoch auf 120.

 Ca. 15 Kilometer vor Köln wird der Verkehr immer dichter und an der ersten Ausfahrt zu den Kölner Vororten bahnt sich der erste Stau an.

 Meine Frau hat uns die erste Nachricht geschickt. Per Apple Car Play bekomme ich ihre WhatsApp-Nachrichten vorgelesen und kann Siri meine Antwort diktieren. Das ist alles so verdammt schick in meiner ZOE. Als ich den Inhalt der Nachricht verstehe, wird aus dem Quieken ein panisches Krächzen.

 Der ICE nach Amsterdam ist ausgefallen. Sie muss mit einem anderen ICE nach Düsseldorf und kann dort erst wieder in einen ICE nach Amsterdam. Typisch deutsche Bahn, schimpfe ich und sehe im gleichen Moment, die Warnblinker vor mir angehen. Ich stehe im Stau. Bis wir Köln hinter uns lassen können, zuckeln wir in Schrittgeschwindigkeit über das Autobahnkreuz. Mein Akku hat seit Olpe nicht mehr als 15 % hergeben müssen und steht jetzt bei beeindruckenden 70% Prozent. Vielleicht sollte ich bis Aachen einfach weiter im Schritttempo fahren.

 Der Verkehr hinter Köln mäandert so vor sich hin. Angesichts der Verkehrsdichte könnte es aber zu stauauslösenden Verstopfungen auf der Autobahn kommen. Es passiert nichts dergleichen und gegen vierzehn Uhr erreichen wir Aachen. Wir verlassen Autobahn und biegen in die Krefelder Straße ein. Mein Zielort, ein Supermarkt, liegt hinter dem Fußballstadion Tivoli und zu meiner Überraschung ist die Ladesäule frei. Ich bin bei ca. 30 % Akkuladung und könnte noch ca. 80 Kilometer weit fahren. Ich hänge meine ZOE (Während ich den Stecker in sie hineinschiebe, streichle ich zärtlich ihr metallicblaues Blech und seufze sanftmütig) an die Ladesäule und stelle überrascht fest, dass sie die Karte meines heimischen Energieversorgers annimmt. Diese Ladung kostet mich nichts extra.

 Meine Kinder und ich stromern ein wenig umher, laufen am Fußballstadion vorbei in das Industriegebiet, Essen bei Subway zu Mittag, laufen wieder zurück, holen Nachtisch im Supermarkt und warten neben dem Auto sitzend auf die Meldung, dass der Akku zu 100% geladen ist. Als wir weiter fahren ist es ca. 16.30 Uhr. Wir sind im Plan! Eigentlich sollten wir gegen 19 Uhr da sein.

 Ich hatte schon bei Google-Maps reingeschaut und mit Schrecken festgestellt, dass bei Antwerpen ein riesiger Stau auf uns wartet. Antwerpen ist das Nadelöhr auf jeder Fahrt nach Zeeland. Ich kann mich an keine Fahrt erinnern, an der wir dort nicht im Stau gestanden haben. Trotzdem zeigt er mir eine Fahrtzeit von drei Stunden an.

 Meine Frau ist mittlerweile in Düsseldorf in den ICE gestiegen und fährt nach Amsterdam. Der ICE ist supervoll. Natürlich hat sie nur Plätze im ursprünglichen ICE reserviert und muss jetzt sehen, wo sie ein Platz findet. Sie ist wohl untergekommen, macht sich aber lustig über einen sechsjährigen Jungen, der mit seiner Verhaltensstörung den Großraumwagen aufmischt.

 Unser sechsjähriger Junge zeigt auf der Rückbank auf der Autobahn in Belgien eine deutliche Verhaltensveränderung, die sich durch nervige Selbstgespräche äußert und dazu führt, dass ich auf Spotify Märchen-Hörspiele raussuche, um ihn ruhigzustellen.

 Spätestens bei Frau Holle verstummt er und lauscht versonnen den üblichen Grausamkeiten der Märchenwelt.

 Auf der Stadtautobahn in Antwerpen eskaliert die Situation. Ich freue mich zwar riesig über den Stand meines Akkus, der sich irgendwie um die 75% bewegt und bis zum Ende des Staus die siebzig Prozent nicht unterschreitet. Eine erstaunliche Leistung, wenn man überlegt, dass wir vorher quer durch Belgien gefahren sind. Aber das ständige Anfahren und Bremsen führt zu Krämpfen in meinem rechten Fuß. Und hinter mir sind die Brummifahrer ständig am Hupen. Mindestens zweimal trennen uns nur ein paar Zentimeter von einer Katastrophe, weil hinter mir ungeduldige Autofahrer sich rücksichtslos irgendwo dazwischen drängen. Und dann diese nervige Märchengrütze. König Drosselbart: die Zähmung einer stolzen und übermütigen Frau, voll frauenfeindlich!!! Erst als wir die Hafenausfahrt erreichen, entspannt sich die Situation.

 Wir verlassen Antwerpen und Belgien und fahren in die Dämmerung hinein. So wie es aussieht, verzögert sich unsere Ankunft um ca. eine Stunde.

 Fast gleichzeitig meldet meine Frau, dass sie im Zug nach Rosendahl gemerkt hat, dass der Zug gar nicht nach Rosendahl fährt. Man hat ihn einfach in eine andere Stadt umgeleitet. Meine Frau ist rechtzeitig ausgestiegen und hat auch schon eine andere Verbindung gefunden, die sie nach Rosendahl und dann nach Middelburg bringt. Voraussichtliche Ankunftszeit 20.30 Uhr. Es hat sich also alles wieder zurcht gerüttelt.

 Gegen 20 Uhr sind wir in Oostkapelle. Ich besorge Schlüssel unseres Ferienhauses und räume das Gepäck schnell aus. Mittlerweile bin ich ziemlich erschöpft und dünnhäutig. Ich reiße mich aber zusammen und um 20.25 parken wir auf dem letzten freien Parkplatz vor dem Bahnhof in Middelburg. Das Parkhaus am Bahnhof wird gerade saniert und es gibt nur vor dem Bahnhof ein paar Kurzzeitparkplätze.

 Am Bahnsteig erfahren wir, dass der Zug natürlich Verspätung hat. Kurz nach halb neun kommt meine Frau und Tochter an. Im Auto auf der Fahrt nach Oostkapelle ziehen wir ein Resümee. Wer war jetzt besser dran? Das Zugfahren in den Niederlanden ist genauso eine Zumutung wie das Zugfahren in Deutschland. Meine Frau berichtete von Ekelabteilen und Regionalzügen in den die defekte Toilette den halben Wagon mit Brackwasser überschwemmte. Ich bin die gleiche Strecke vor ca. zehn Jahren mit dem Zug gefahren und es war perfekt. Keine Verspätung, Sitzplatz in allen Zügen, kein defekten Toiletten, überall W-Lan. Entweder war das Zufall oder die niederländische Bahn hat sich der Deutschen Bahn angeglichen.

 Letztendlich die lange Reise mit dem E-Auto auch nicht anstrengender als jede andere Reise mit dem Auto. Meine Strategie, nur eine lange Pause einzulegen, hat funktioniert. Ohne Stau geht es nicht und das zeigt wieder mal, dass jedes Auto auf der Straße ein Auto zu viel ist. Allerdings ist das Bahnfahren nicht wirklich attraktiver, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass man am Zielort überhaupt ankommt. Als Fazit bleibt: auch heutzutage können Reisen in Mitteleuropa zu Mikroabenteuern werden. Und danach hat man wirklich einen ausgiebigen Urlaub nötig. Ich gehe mit 20 % und ca. 70 Kilometer Reichweite ins Bett und schlafe ca. neun Stunden durch.

Mijn eerste reis met de elektrische Auto… Teil 1 – die Vorbereitung

Vor drei Wochen bin ich in ein Mikroabenteuer gestartet: Die erste Urlaubsreise mit meiner Zoe (wenn ich Zoe sage, quietsche ich wie meine dreizehnjährige Tochter, die sich über irgendwelche Likes bei TicToc freut), dem mit Elektromotor angetriebenen in blaumetallic lackierten Blechhaufen, der seit Mai vor meinem Haus parkt.

Warum Abenteuer und warum Mikro? Als Kartoffel gehe ich immer vom Eintreten einer Katastrophe aus. Ich habe einen Akku in meinem Auto, der spätestens alle 250 Kilometer an einer Ladesäule aufgeladen werden muss. Wobei es bei den 250 Kilometern nur um eine Schätzung handelt. Je nach Geschwindigkeit, Beschleunigung, Außentemperaturen usw. kann sich diese Kilometerleistung noch deutlich verkürzen. Und was ist, wenn ich dann keine Ladesäule finde? Und das ist sie schon: DIE KATASTROPHE!!!!

Der Bruder eines guten Freundes fährt schon sehr lange Elektroautos. Zuerst fuhr er einen E-Golf mit einer Reichweite von 180 Kilometern. WV gab damals das Versprechen ab, Fahrzeuge bis zu dreimal im Jahr kostenlos zur nächsten Ladesäule zu schleppen, wenn der Akku leergelaufen war. Meine ZOE (verliebtes Quietschen) hat eine offizielle Reichweite von 310 Kilometern.   Als mir der Bruder meines Freundes die Geschichte anvertraute, ist mir trotzdem das Herz in die Hose gerutscht. Es war so tief in die Hose gerutscht, dass mir der Mut abhandenkam, um ihn zu fragen, ob er denn jemals abgeschleppt worden sei.

Ein anderer Freund mit ausreichend Erfahrung im Elektroautogame (er fährt schon seit längerem einen Tesla), sprach mir gut zu und empfahl mir, mit der App A Better Routeplaner meine Reise vorzubereiten.

Allerdings hat er mir verschwiegen (als Teslafahrer hat man das Problem wahrscheinlich nicht), dass die App mir zwar unzählige Ladesäulen anzeigt, die meinen langen Weg ins Ausland säumen, ich die wenigsten aber nutzen kann, weil mir die passende Ladekarte fehlt.

Also habe ich mich zu allererst über Ladekarten informiert. Ich hatte bis dato nur eine Ladekarte und zwar die meines regionalen Versorgers, die mit 25 EUR Flatrate monatlich so was von günstig ist, dass ich es kaum glauben konnte.

Meine Internetrecherche zu Ladekarten war ernüchternd. Es gibt unzählige Anbieter, die alle versprechen, dass man sie einfach nur an eine Ladesäule halten muss und schon fließt der Strom durchs Ladekabel. Das ist wie immer nur die halbe Wahrheit. Es hat ein paar Abende, die ich im Internet herumsurfen musste, gedauert, um zu verstehen, dass ich mir noch zwei Ladekarten besorgen sollte: einmal die Karte von EnBW und die von Shell.

Sie haben richtig gelesen! Shell, der böse Ölkonzern, hat vor ein paar Jahren ein Ladesäulenstartup gekauft und in den Niederlanden für ein einheitliches Ladekartensystem gesorgt. Mit einer Ladekarte der gelben Muschel auf roten Grund stehen einem alle öffentlichen Ladesäulen aller Anbieter zur Verfügung. In Deutschland ist man davon noch sehr, sehr weit entfernt. Wenn man sich damit beschäftigt, bekommt man den Eindruck, dass wir Kartoffeln einfach auf fragmentierte Kleinstaatenlösungen stehen und dass dann als Fortschritt begreifen. EnBW hat als einer der wenigen Anbieter eine weit gediehene Infrastruktur und gerade die Ladesäulen an Autobahnraststätten scheinen alle mit der EnBW-Karte klar zu kommen.

Die beiden Ladekarten waren bei mir nach einer Woche eingetrudelt. Zu jeder Ladekarte gibt es eine APP in der man sich und seine Karte registrieren muss. Seitdem ich meine ZOE (sanftmütiges Quietschen) besitze, hat sich die Anzahl der APPs auf meinem Iphone gefühlt verdoppelt. Sogar meine ZOE (ich quietsche, als würde mir Zoe verliebt den Nacken kraulen) hat eine eigene App. Da kann ich morgens nach dem Aufstehen im Winter sofort die Fahrzeugheizung aus der Ferne anschmeißen und eine Stunde später ins warme  Auto steigen. Ich bin gespannt, wie viel Prozent Akku-Leistung sich dabei in wohlige Wärme auflösen.

Mit den Ladekarten konnte ich nun die konkrete Streckenplanung beginnen. Die App A better Routeplaner gibt es in eine vollkommen ausreichende kostenlose Version. Für die Berechnung der Route kann man viele Faktoren mit einbeziehen und das verheißt ein möglichst genaues Ergebnis.

Ich sollte drei Mal zum Laden anhalten und jeweils eine halbe Stunde laden. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als ich mein Auto gekauft hatte, habe ich mir im Vorfeld einige Videos auf Youtube zu dem Thema Reisen mit Elektroauto angeschaut und jedes Mal ging es darum, durch optimierte Ladevorgänge ein paar Minuten zu sparen.

 Das Laderegime beruht auf der These, dass die letzten zwanzig Prozent Akkuleistung die gleiche Zeit in Anspruch nimmt als die ersten Achtzig Prozent (Paretoregel: funktioniert immer!). Also versucht man irgendwie sich bei dem Akkustand immer zwischen 10 und 50 Prozent zu bewegen und den Akku nicht voll zu laden.

 Diesem Regime wollte ich mich nicht unterwerfen. Wir sind in unserer Familie fünf Personen (drei Kinder und zwei Erwachsene) und meine ZOE (ein wehmütiges leises Quietschen) ist ein Kleinwagen mit beschränkter Kofferraumkapazität. Meine Frau war schon im Frühjahr auf die Idee gekommen, dass sie und eine meiner Töchter mit dem Zug nach Oostkapelle fahren und ich, meine große Tochter und mein Sohn in der ZOE (ein gehauchtes kaum hörbares Quietschen) fahren und das Gepäck mitnehmen.

 Es sollte so ein interner Familienwettbewerb der Mobilitätskonzepte werden. Zug gegen Auto!!!! Sehr spannend!!! Wurde es auch! Aber dazu später mehr.

 Wir fahren im Schnitt jedes zweite Jahr in die Niederlande in den Urlaub und bisher hatten wir sehr gute Erfahrungen mit langen Pausen gemacht, die wir zumeist auf der Hälfte der Strecke nahe der Grenze einlegen.

 Für die Kinder und auch uns Erwachsene hat sich das bewährt. Wir machen in irgendeiner Stadt Halt, suchen uns ein nettes Plätzchen, essen etwas und streifen ein wenig umher. So nach anderthalb Stunden geht es dann weiter.

 Also bot es sich für mich an, an der Grenze den Ladevorgang mit der üblichen langen Pause zu verbinden. Bis zur Grenze sind es von uns aus ca. 220 Kilometer. Mit einem vollen Akku hätte ich also noch genügend Kapazität um in aller Ruhe nach einer Ladesäule zu suchen.

 Ein Halt in Aachen bot sich an. Ich war schon mehrfach in Aachen und kannte die Innenstadt. Ich nutzte den Routenplaner  auf der Website Goingelectric.de, folgte der Autobahn und suchte die Abfahrt in die Innenstadt. Ich entdeckte die Ladesäulen entlang der Krefelder Straße, die in die Innenstadt führte. Zwei Ladesäulen befanden sich direkt an der Autobahnausfahrt. Einen Kilometer weiter gab es Ladesäulen an einem Supermarkt, in der Nähe lag ein Gewerbegebiet mit weiteren Einkaufsmöglichkeiten und den üblichen Fastfoodbuden. Im Umkreis von zwei Kilometern gab es eine Shell Tankstelle mit Ladesäule und den örtlichen Energieversorger mit unzähligen Ladesäulen. Es konnte also nix schief gehen.

 Drei Tage vor der Abreise habe ich  in GoogleMaps auf meinem Handy ganz viele Orte mit Ladesäulen in einer Liste gespeichert. Notfallsäulen in Köln, die Krefelder Straße in Aachen, in den Niederlanden an der Strecke mehrere Säulen an Shell-Tankstellen und in Goes an einem MC-Donalds.

 Als ängstliche Kartoffel musste ich mich tausendfach absichern. Ich konnte ein Tag vor der Abfahrt nicht mehr richtig schlafen. Ich habe anstatt Schäfchen Ladesäulen gezählt und bin trotzdem nicht eingeschlafen. Was, wenn ich scheitere und mein Auto mit leerem Akku liegenbleibt…..