Am Ende aller Zeiten

Auch für Redewendungen und Begriffe gibt es eine Mode. Ich weiß nicht, auf welchen Laufsteg diese sich bewähren müssen, bevor sie von allen in den Mund genommen werden. Aber von Zeit zu Zeit beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn die gleichen Redewendungen von allen in jeder Situation benutzt werden. Zum Glück bin ich kein Verschwörungstheoretiker, ansonsten könnte ich annehmen, dass Frau Merkel mit Herrn Altmeier im Bundeskanzleramt sitzt und sie sich gemeinsam blödsinnige Sprüche ausdenken und diese dann von der Bundeswehr als Chemtrails in der Nacht über die Republik ausgeschüttet werden. Unsere manipulierten Gehirne warten dann den ganzen Tag nur darauf, die blöden Sprüche endlich los zu werden. So unvermittelt treten die diversen Moden der Redewendungen auf.
Wahrscheinlich haben sich schon Wissenschaftler ausgiebig mit der Thematik befasst und man könnte meinen, an der Theorie des kollektiven Bewusstseins scheint etwas dran zu sein. Im Moment höre ich kein Gespräch, das ohne die Redewendung „am Ende des Tages“ auskommt. Ich habe mir schon die Mühe gemacht Strichlisten zu führen und es gibt Gespräche an deren Ende der Zettel mit blauen Kulistrichen voll war.
Die Redewendung stößt mir auch sauer auf, weil sie sprachlich sehr ineffizient ist. Man will ja dadurch wohl das Wort letztendlich oder schließlich vermeiden. Es handelt sich um kurze Wörter, deren Bedeutung sich kaum von der deutlich längeren Redewendung unterscheidet. Jetzt könnte man anführen, die Redewendung diene der Betonung der Ausschließlichkeit eines Sachverhaltes. Am Ende des Tages kann nur das und jenes erfolgen. Aber nein, die Redner setzen an, holen tief Luft und dabei kommt nichts anderes heraus als das letztendlich das und jenes erfolgt. Viel heiße Luft um nichts, umsonst verbrauchter Sauerstoff. Die Redewendung wird unbewusst genutzt und bei den wenigsten, die diese gebrauchen, scheint eine Absicht der Grund ihrer Verwendung zu sein. Daher schlage ich vor, die Redewendung um einige Varianten zu erweitern, um eine bewusste Verwendung zu erreichen. Wenn sie schon einmal in der Welt ist, dann soll sie doch zu etwas dienlich sein. Tut mir leid, ich bin da etwas altmodisch und glaube daran, dass Sprache uns dienen sollte und nicht wir der Sprache. Um die Betonung der Bedeutung zu erreichen, sollten wir folgende Varianten als Steigerungsform verwenden: „Bis am Ende der Woche oder des Monats, des Jahres und wenn man es ganz drastisch ausdrücken möchte und seinem Anliegen ein besondere Note und Bedeutung verleihen möchte, sagt man (natürlich nur im feierlichen Ton und entsprechend dramatischer Modulation): Am Ende aller Zeiten.

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3 Gedanken zu “Am Ende aller Zeiten

  1. Pingback: Am Ende aller Zeiten — nowak schreibt – romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

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