Ein Ausflug in den Westerwald

Vor ca. vier Wochen habe ich mir mein erstes Elektroauto gegönnt. Ich hatte die Faxen dick! Die letzten Jahre musste ich mir zu oft das Herumgeheul verbitterter Anhänger von Verbrennungsmotoren anhören. Eigentlich wissen wir seit Jahrzehnten, das  irgendwann das Ende der fossilen Energieträger naht und nicht nur wegen den CO2-Emmisionen, sondern auch weil diese irgendwann zu Neige gehen. Solange aber ein drei Tonnen schweren SUV, den man mit 200 über die Autobahnen hetzt,  ein Zeichen für Wohlstandes und Prosperität darstellt, haben viele Eigentümer dieser Statussymbole richtige Verlustängste. Eigentlich gehören sie alle in eine kollektive Therapie. In ihrem Geheule drückt sich die Angst vor dem sozialen Abstieg aus, der sie wahrscheinlich nicht ereilen wird, wenn sie auf eine andere Antriebsart umsteigen. Wenn ich mit einem Freund des Verbrennungsmotors die übliche Diskussion beginne, höre ich schon an ihren Argumenten, wie verzweifelt sie sind. Mir wird ohne Umschweife die Welt erklärt: Der Akku im E-Auto  schädigt die Umwelt (als hätte diese Menschen vorher der Zustand der Natur interessiert). Die für den Akku benötigen seltenen Erden werden von Kindern im Kongo aus dem Boden gekratzt werden (Dabei tippt man nervös auf seinem neuen Iphone, dass man jedes Jahr austauscht). Man verliert seine gottgegebene Freiheit, weil der Akku ja nur für zweihundert Kilometer reicht. Außerdem muss man das Auto wieder mühsam aufladen. E-Autos machen nur Sinn, wenn man Strom aus regenerativen Energien tankt. Wo soll der ganze saubere Strom denn herkommen. Schließlich haben wir ja ohne Not alle Kernkraftwerke abgeschaltet (auch so ein Trauma. Was ist an Kernkraft sauber? Siehe Tschernobyl und Konsorten) und jetzt schalten wir noch die modernen Kohlekraftwerke ab, soviel Windräder kann man ja gar nicht aufstellen….bla…bla…bla…

Mein alter Dacia 7-Sitzer-2 Tonner mit 115 PS und Anhängerkupplung war hinüber und ich wollte kein großes Auto mehr fahren. Ich habe keine fünf Kinder mehr im Haushalt (deswegen damals der Siebensitzer), ich fahre wie ein Großteil der Bevölkerung maximal 30 Km im Durchschnitt am Tag und ich brauche eigentlich nur einen Kofferraum für den Wocheneinkauf und versuche seit Jahren die Wege des Alltags mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Okay, ich lebe mitten in der Stadt, unsere Wege sind kurz, um die Ecke gibt es sogar vier Ladeplätze unseres regionalen Energieversorgers und zu Not kann ich in meiner Garage einen Ladeplatz installieren. Ich bin privilegiert,  das stimmt, aber ist das nicht genau der Grund, um es einfach mal mit der Elektromobilität auszuprobieren?

Ich war neugierig und plötzlich haben sich viele Argumente pro E-Auto aufgetan. Ich gebe zu: den traumatisierten treuen Anhänger des Verbrenners  möchte ich gerne den gedanklichen Stinkefinger zeigen. Aber ich möchte auch die aktuelle Technik auszuprobieren, um die gängigen Vorurteile zu entkräften. Neben den Miesmachern gibt es unheimlich viele Menschen, die völlig verunsichert sind, für die Mobilität ein großer Kostenfaktor, die auf ein Fahrzeug angewiesen sind. Also schadet es nicht, wenn die verunsicherten unter den Autofahrern sehen, dass das E-Auto eine echte Mobilitätsalternative ist.

Übrigens ist es mein Ziel, mittelfristig ohne Auto auszukommen. Kein Auto zu besitzen, schont die Umwelt am ehesten. Da kann die Elektromobilität der erste Schritt in die richtige Richtung sein. Um so weit zu kommen, braucht es auch eine durch die Gesellschaft und Politik getragene Verkehrswende, weg vom Individualverkehr, hin zu Öffentlichen Nahverkehr und alternativen Mobilitätkonzepten. Jeder, der ein E-Auto fährt, kann seine Bereitschaft zur echten Veränderung signalisieren, außer er ersetzt seinen Ölstinker durch einen drei Tonnen schweren Luxuswagen mit einem monströsen Akku, der eine Reichweite von 700 Kilometer ermöglicht.

Ich habe mir einen Renault Zoe besorgt, ein etabliertes Kleinwagenmodell, das als reines E-Auto konzipiert wurde. Eine Stromladung hält auf meinen üblichen Strecken 300 KM. Das Fahren macht unheimlich Spaß und ist total einfach. Ich fahre etwa einmal die Woche an eine Ladestation. Meistens am Wochenende. Fürs Laden benötige ich bis zu zwei Stunden. Ich stelle das Auto ab, stecke mein Kabel in Ladesäule und Auto, gehe heim, sehe auf meiner App den Ladestatus und wenn der Akku vollgeladen ist, mache ich einen kleinen Spaziergang und hole mein Auto wieder ab. Seitdem grinse ich immer lässig, wenn ich an einer Tankstelle vorbeifahre. Der Beninpreis ist mir zum ersten Mal seit 30 Jahren kackegal.

Das Zurücklegen längerer Strecken stellt eine logistische Herausforderung dar. Es ist nicht unmöglich oder zu kompliziert. Aber man muss das Auto gut kennen und jedes Mal vorher schauen, ob der Strom für die Strecke reicht und wenn nicht, wo man die Karre wieder aufladen kann.

Um dafür ein Gefühl zu bekommen mache ich Moment kleine Ausflüge und schaue mir auch die Ladesäulen an, die auf dem Weg liegen. Und das ist für mich im Moment noch das einzige Problem, mit dem ich hadere. Es gibt keinen einheitlichen Standard für Ladesäulen. Es gibt Apps, die einem die Lage anzeigen und welchen Stecker man braucht und ob eine Ladekarte benötigt wird usw. Allerdings stehe ich meist vor diesen rätselhaften Apparaturen und bin hilflos.  

Also plane ich im Moment eher Ausflüge, die ich mit meiner Reichweite 300 KM gut absolvieren kann. Letztes Wochenende hat sich ein Ausflug in den Westerwald angeboten. Ein guter Freund von mir hat mich zu einer Wanderung eingeladen. Wir haben uns wegen Corona fast zwei Jahre nicht gesehen und da wir beide wenigstens einmal geimpft sind  und die Inzidenzen rückläufig sind, wollten wir uns endlich wieder einmal treffen. Mein Freund wohnt in der Nähe von Linz am Rhein und ich in Wetzlar. Auf halbem Wege zwischen Linz und Wetzlar liegt das Hachenburger Land, rund um Hachenburg und Bad Marienberg, im tiefsten Westerwald.

Also bin ich an einem Sonntagmorgen losgedüst….mit 75 % Ladung. Eine Strecke von 65 Kilometer lag vor mir….

Die Gesellschaft gibt es, die Gesellschaft nimmt es! (Teil 3)

Als erstes fielen mir unsere direkten Nachbarn auf, die aus der Bekämpfung der Parkplatzbesucher eine regelrechte Passion gemacht haben. Das Ehepaar gebärdete sich wie eine zwei-Personen-Bürgerwehr. Sie ließen die Straße nicht mehr aus dem Blick, liefen Patrouille, notierten Autokennzeichen, versteckten sich hinter den Büschen auf dem Spielplatz und fotografierten mit einem hellen Blitz die vorbeifahrenden Autos, um sie zu erschrecken oder sie glauben zu lassen, sie seien in einer Radarfalle getappt. Außerdem versuchten sie die Nachbarschaft in den Kampf gegen die Rüpel vom Parkplatz mit einzubeziehen bzw. die Polizei und die städtische Verwaltung mit Beschwerden und Hinweisen zum Handeln zu zwingen. Alle ihre Bemühungen verliefen im Sand. Sie erreichten kleine Teilerfolge und das muss man ihnen auch zu Gute halten. Es wurden zwei Fahrbahnschwellen, ein Blumenkübel und am Spielplatz eine Sperrvorrichtung installiert, damit Kinder nicht ungehindert auf die Straße rennen können. Sie behandelten immer nur die Symptome. Die Autos fuhren immer noch röhrend und zu schnell durch unsere Straße. Mit jedem kleinen Teilerfolg wurden sie noch verbissener. Die Nachbarschaft ließ sich auch von ihnen nicht animieren, sie beim Kampf zu unterstützen. Die Zwei-Mann-Bürgerwehr hatte nicht die Fähigkeit, andere Menschen zu integrieren und für ihr Anliegen zu gewinnen. Für sie hatte das Ganze auch keine politische öffentliche Dimension. Vielmehr ging es um eine private Angelegenheit: sie fühlten sich in ihrer Ruhe gestört. Und alle die nicht ihr Leid anerkannten und ihnen Gehör schenkten, betrachteten sie als ihre persönlichen Feinde.

Nachdem ich mich am Anfang von der Zwei-Personen-Bürgerwehr habe vereinnahmen lassen und ich diesen unreflektierte Gefühl, dass alle gegen uns seien und sich diese Jugendlichen überhaupt nicht um uns scheren, dazu geführt hat, dass sich meine Familie durch mein Wutbürgerbenehmen belästigt gefühlt hat, hat bei mir ein Umdenken stattgefunden. Jugendliche brauchen einen Platz, um sich zu treffen. Ihre Art der Anreise mochte vollkommen idiotisch sein. Aber auch diese Menschen  sind das Produkt unserer Gesellschaft. Für die Gesellschaft scheint es leider in Ordnung zu sein, dass junge Menschen große schnelle Autos und Motorräder fahren. Sie bietet ihn genug Möglichkeiten, um auf den innerstädtischen Autobahnen ungehemmt rasen zu dürfen. Schließlich scheint das Überschreiten von Geschwindigkeitsbeschränkungen ein Nationalsport zu sein (denkt man nur mal an die beknackte Diskussion um Tempo 130). Die Jugend ist nicht das Problem, sondern die Gesellschaft, die sich auf das Heilsversprechen einer unbeschränkten und für jeden verfügbaren Mobilität eingelassen hat. Jeder verbeugt sich vor den lackierten Metallkisten als seien es Götter und jeder, der ein schnelles und lautes Auto oder Motorrad sein Eigentum nennt, verdient den Respekt seiner Mitmenschen.

 Es gab in den letzten Jahren immer wieder Begegnungen mit anderen Nachbarn am Gartenzaun, die sich über die Situation beschwerten oder sich dazu äußerten. Die wenigsten sind auf die Idee gekommen, die großen Zusammenhänge zu betrachten. Am Gartenzaun schlug die Stunde der phlegmatischen Zweifler, die erst Mal pauschale Urteile fällten, wenig analytisch vorgingen, die Verantwortung bei der Stadtverwaltung sahen, manchmal mit Straftaten das Problem lösen wollte (wir können ja einfach die Raser mit Steinen bewerfen) oder auch pragmatische Lösung wie Fahrbahnschweller oder künstliche Verengung der Straße ablehnten (das macht dann immer so ein Krach, wenn die Autos da drüber fahren und dann fallen nachher auch noch unsere Parkplätze weg) Das aber jemand mit tiefergelegtem Auto nur einmal über einen Fahrbahnschweller Parcours fährt und dann die Lust am Rasen verliert und einfach das Weite sucht, interessiert diese Menschen nicht. Und am Schluss kommt immer die Feststellung: Tja, daran können wir wohl nichts ändern.

Ein Nachbar, einer der wenigen in der Straße, der immer positiv denkt, hatte den wirklich besten Vorschlag von allen, den er auch gleich in die Tat umgesetzt hat. Man kann doch mal mit den Autofahrern reden und sie höflich auf die Geschwindigkeitsbeschränkungen aufmerksam machen. Er bemerkte auch, dass das alles nette Jungs wären, die einfach nur ein wenig Spaß haben wollten und sie vielleicht gar nicht wissen, dass sie uns auf die Nerven gehen. Die Lösung kann so einfach sein. In der Folgezeit haben wir den einen oder anderen angesprochen und einfach gebeten, langsam zu fahren, da in der Straße Kinder wohnen und die Straße auch sehr unübersichtlich sei. Es gab dabei nie Streit oder harsche Gegenwehr. Ansonsten haben die Autofahrer freundlich und verständnisvoll reagiert und in Folge wurde es ruhiger in der Straße.

Im Frühjahr, die ersten warmen Tage, sind fürchterlich und auch im Sommer hat man manchmal das Gefühl man wohnt auf einer Rennstrecke. Aber es scheint weniger geworden zu sein. Mittlerweile hat sich die Stadt eine Lösung für das Symptom überlegt. Der Festplatz wird mit einem Erweiterungsbau der Berufsschule bebaut. Der Parkplatz soll zum bewachten Platz für Wohnmobile ausgebaut werden. Damit werden die Autotuner und Raser vertrieben. Sie müssen sich nächstes Jahr anderen Platz suchen. Auch dort werden sie den Anwohnern auf die Nerven gehen. Wie man es dreht und wendet: Das eigentliche Problem bleibt. Solange das Fahren von stark motorisierten Fahrzeugen gesellschaftlich höchste Priorität hat und alles in einer Stadt darauf ausgelegt ist, den Autos und Motorrädern Vorrang einzuräumen, werden solche Begleiterscheinungen nicht verschwinden.

Und somit kehre ich zum ersten Teil meiner kleinen soziologischen Betrachtung zurück. Die Gesellschaft gibt es und sie nimmt es. Sie hat uns den Autoverkehr gegeben, als es noch der Ausdruck von Wirtschaftswachstum und Wohlstand war und alle vom Fortschritt profitiert haben. Die Gesellschaft wird es uns auch wieder nehmen, nämlich spätestens dann, wenn auch der letzte Tuner kapiert hat, das Autofahren voll uncool ist und das Eigentum an einem Auto gar keine Bedeutung hat und man lieber in den Bus steigt, Fahrrad fährt oder zu Fuß unterwegs ist.

 Es ist auch nicht so, als könnte ich und du und jeder andere nichts dafür tun. Wir können selbst unser Verhalten ändern, auf Fahrrad und ÖPNV umsteigen, mehr Wege zu Fuß zurücklegen, auf das eigene Auto verzichten, wenn wir doch mal darauf angewiesen sind, es uns nur leihen, bei Wahlen die Parteien und Politiker wählen, die eine Verkehrswende wollen, vor Ort mit Lokalpolitikern reden, für Veränderungen einstehen, sich aktiv beteiligen, wenn es darum geht, das Bürger mitentscheiden sollen und das sind nur ein paar Möglichkeiten, die ich als Teil der Gesellschaft habe. Das dauert und ist anstrengend aber es lohnt sich!!

Die Verkehrswende findet hier nicht statt

Wetzlar, die Stadt in der ich und meine Familie leben, ist eine typische deutsche Kleinstadt mit 50000 Einwohnern, eingebettet in der schönen Landschaft zwischen Westerwald und Taunus, mit einer pittoresken Altstadt, grünen Parkoasen am Fluss, einem stattlichen Dom und einer breiten vierspurigen hässlichen Straße, die durch die ganze Stadt führt.

Auch hier wurde nach dem Krieg alles dem Wiederaufbau untergeordnet. Man modernisierte Wetzlar mit viel Beton und Asphalt. Für die Menschen hat es damals Sinn gemacht. Plötzlich waren die engen muffigen Gassen weg, die alten Straßenzüge sanierungsbedürftige kleiner Häuser verschwanden und an deren Stelle traten breite Straßen und moderne Zweckbauten. Man schuf Platz für den Fortschritt und die Verheißungen des Wirtschaftswachstumes.

Wir wissen heute, was daraus geworden ist und man kann der Nachkriegsgeneration keinen Vorwurf machen. Was viel schlimmer wiegt und heute einfach nur noch nervt ist diese Beharrlichkeit und das Unverständnis vieler Menschen und Politiker, die nicht sehen wollen, dass wir unsere Lebensweise auf kommunaler Ebene verändern müssen.

Dazu gehört für mich ganz klar auch die Veränderung unserer Verkehrsinfrastruktur. In Wetzlar gibt es ein städtisches Radwegekonzept, dass jetzt nach und nach umgesetzt wird. Leider ist es ein halbherziges Konzept. Man weiß um die Notwendigkeit einer Verkehrswende,  erkennt aber nicht die Notwendigkeit radikaler Veränderungen. Den Autofahrern sollen Zumutungen erspart bleiben. Also macht man hier und dort einen Radstreifen und glaubt, das beruhigt diejenigen, die die Veränderung nicht als Zumutung, sondern als zwingend betrachten.

Das grundsätzliche Problem in Wetzlar besteht darin, dass wir eine vierspurige Ortsdurchfahrt mit Anschluss an eine Bundesstraße haben, aber viele Zubringerstraßen wie Nadelöhre die historischen Pfade in die Stadt nachbilden. Die Verkehrswende könnte da beginnen, wo man an solchen Straßen dem Rad und ÖPNV den Vorrang gibt. Leider verzichtet man darauf. Es geht nicht darum, Autofahrer zu bestrafen oder auszugrenzen, sondern die Attraktivität der ressourcenschonenden Verkehrsmittel zu erhöhen und so möglichst viele Menschen die Nutzung dieser Verkehrsmittel zu erleichtern.

Das Traurige daran ist, das wir eigentlich in Wetzlar sehr stark vom Fahrradtourismus profitieren. Viele Menschen kommen über regionalen Radwege nach Wetzlar, um die Stadt zu besuchen. In der Stadt selbst sind sie als Radfahrer nicht willkommen. Es gibt viele gefährliche Stellen, unklare Regelungen, Radwege die ins Nichts führen, Umwege, die man mit dem Fahrrad in Kauf nehmen muss. Daher wundert es mich, dass die städtische Politik keine weitergehenden Maßnahmen ergreift. Denn wenn einem die wenigen Fahrradverrückten nicht wichtig sind, so hat man doch immer den Tourismus als wachsenden Wirtschaftszweig im Blick.

Aber die wenigen Fahrradverrückten in dieser Stadt machen immer mal gerne auf sich aufmerksam. Am letzten Samstag haben verschiedene Gruppen eine Fahrraddemo veranstaltet,  die die Probleme rund um die verfehlte Verkehrspolitik sichtbar machen sollte. Die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs sollte wenigstens für ein paar Stunden in den Hintergrund treten.

Eine illustre Kolonne mit ca. 170 Radfahrern fuhr auf den breiten Chausseen der Innenstadt, die für die Demo von der Polizei gesperrt wurden. Meine Frau, unsere drei Kinder und ich gehörten dieser Kolonne an.

 Es war ein wunderschönes Gefühl die breite Straße am Karl-Kellner-Ring lang fahren zu können und ein Gespür dafür zu bekommen, wie Ruhe in eine Stadt einkehrt, die ansonsten vom Lärm des motorisierten Individualverkehrs geprägt ist. Eine Stadt ohne Auto ermöglicht eine neue Lebensqualität für alle. Wenn wir kreativ mit der Stadt umgehen, die uns nun einmal so gegeben ist, wie sie momentan ist, können wir gemeinsam viel erreichen. Dabei ist es wichtig, niemanden auszugrenzen, sondern allen Bürgern und Besucher dieser Stadt an den neuen Möglichkeiten teilhaben zu lassen.

Es ist ein langer Prozess, weil in vielen Köpfen ein Umdenken beginnen muss. Wenn wir als Bürger und Radfahrer dieses Stadt auf uns aufmerksam machen, in dem wir Samstagsnachmittags friedlich und gewaltfrei Präsenz zeigen, machen wir Werbung für unser Anliegen, dass eigentlich das Anliegen aller Menschen ist: Einen Lebensraum zu haben, der einem die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung bietet.