Gestern in der Turnhalle

100 Jahre Frauenwahlrecht: Ließ sich nicht vermeiden.

Ein Frau als Kanzlerin: War ein Unfall der Geschichte.

#MeToo: Aufstand hysterischer Frauen.

Femen: Aufstand junger hysterischer Frauen.

Frauen in Spitzenpositionen: Doch nur weil sie sich wie Männer benehmen.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit: wir haben doch ganz andere Probleme.

Gestern ist mir bewusst geworden, dass die Männer immer noch am längeren Hebel sitzen und alle Bestrebungen, dass zu ändern fast vergeblich waren.

Kinderhandball. Kinder zwischen sechs und acht Jahren. In diesen Jahrgängen gibt es nur gemischte Mannschaften. Meine Tochter, sieben Jahre alt, spielt seit zwei Jahren Handball. Die meisten Kinder in dieser Mannschaft spielen von Beginn an zusammen. Die Jungs sind in der Überzahl. Aber es gibt einen bedeutenden Anteil an Mädchen. Meine Tochter ist für ihr Alter sehr groß und überragt alle Jungen auf dem Spielfeld. Sie ist noch sehr verspielt und oft unaufmerksam. Man kennt ja diese Kinder, die gerne mal abschweifen. Ist aber bei meiner Tochter alles im normalen Rahmen. Handball macht ihr sehr viel Spaß. Sie geht gerne ins Training und auch die Spiele, die alle paar Wochen im Rahmen von kleinen Turnieren stattfinden, bereiten ihr viel Freude. Die Körpergröße spielt im Handball natürlich eine gewisse Rolle. Wer als Verteidiger schon mal wie ein unüberwindbarer Berg vor dem Angreifer steht, verursacht Unruhe beim Gegner.

Die Mannschaft wird von drei Frauen trainiert. Eine davon ist meine Frau, die als Jugendliche selbst Handball gespielt hat. Ich gehe mit zu den Turnieren und schaue mir die Spiele gerne an. Langsam sprießen die ersten Handballfähigkeiten hervor und man sieht die ersten SpielerInnen die kraftvoll in die Luft springen und den richtigen Punkt finden, um im Fallen mit voller Wucht auf das Tor zu werfen. Mir macht es Spaß, die Kinder zu beobachten, wie sie in den Sport hineinwachsen. Dazu gehört neben den spielerischen Fähigkeiten natürlich das mannschaftsdienliche Verhalten im Spiel. Beim Zuschauen kann ich sofort erkennen, wer schon teamfähig ist und wer immer noch wie ein kleines Arschlochkind agiert. Mir war schon seit längerem aufgefallen, dass die Jungs in der Mannschaft teilweise schon den Sport gut beherrschen, aber ein wenig ausgeprägtes Sozialverhalten an den Tag legen.

Im Spiel werden die Mädchen regelrecht ausgegrenzt. Sobald ein Kerl den Ball in der Hand hat, rennt er auf das Tor los und gibt niemals den Ball ab. Allerhöchstens zu einem anderen Kerl. Aber dann muss er schon in einer hoffnungslosen Situation sein. Die Mädchen können sich eine freie Position erarbeitet haben, sich anbieten, die optimale Position vor dem Tor haben, die Kerle geben zum nächstbesten Geschlechtsgenossen ab oder lassen sich vom Gegner über den Haufen rennen.

Meine Tochter kann aufgrund ihrer Größe den einen oder anderen Ball ergattern. Die kleinen Jungs stehen vor ihr und kommen nicht mehr an ihr vorbei. Sobald sie einen Ball hat, wird sofort von den Jungs die Abgabe gefordert. Bitte keinen Erfolg für die Mädchen. Meine Tochter gibt den Ball dann oft ab oder verliert ihn wieder. Sie bekommt kaum Möglichkeiten zum Torwurf.

Zum ersten Mal hat es mich gestern richtig geärgert. Ich habe meine Frau darauf angesprochen und sie hat mir bestätigt, dass dies ein erhebliches Problem ist. Die Jungs zeigen auch im Training keinerlei Sozialkompetenz. Wenn es nicht so klappt, wie sie es sich vorgestellt haben, sind die anderen schuld und sie sind vollkommen im Machtmodus. Sie sind die größten, während die Mädchen das Nachsehen haben.

Dabei könnte eine solche Mannschaft viel besser spielen, wenn alle an einem Strang ziehen. Wenn die Jungs nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten nutzten, sondern die Fähigkeit anderer auch anerkennen können und sich überlegen, wie sie diese nutzen können, um erfolgreich zu sein und das dazu gehört, miteinander zu reden und dem anderen auch zu würdigen, wäre die kleine Handballwelt in einem perfekten Zustand.

Und da ist mir aufgefallen, dass viele Männer kleine Arschlochkindermachos geblieben sind und sich niemals weiter entwickelt haben. Sie sind die Könige dieser Welt, von sich und ihren Fähigkeiten überzeugt. An ihnen kommt niemand vorbei. Und die Frauen stehen daneben, hochintelligent, mit viel Gespür für ihre Mitmenschen, werden ignoriert und dürfen höchstens dekorativ schön aussehen und die Mistkerle mit Macht heiraten und ihnen Kinder gebären.

Dann habe ich mich gefragt, was Mädchen wie meine Tochter tun müssen, um diesen Zustand zu ändern. Wahrscheinlich braucht es Gewalt. Sie müssen den Kerlen die Nase blutig hauen und ihnen den Ball entreißen. Aber wer will das? Ist das wirklich die einzige Sprache, die kleine Machtidioten verstehen? Der Geschlechterkrieg kann ja keine Lösung sein. Vielleicht ist er unvermeidlich. Oder aber ich fange bei mir selbst an. In letzter Zeit habe ich mich selbst beobachtet und auch an mir die Attitüden männlicher Selbstüberschätzung gefunden. Manche meiner Verhaltensweisen sind von dem Narrativ der männlichen Überlegenheit geprägt. Also ändere ich mein Verhalten, gebe meiner Tochter ein Vorbild, überzeuge meine Geschlechtsgenossen, dass sie erfolgreicher sind, wenn sie auf dem Spielfeld alle mit einbeziehen und nicht nur für sich spielen. Vielleicht hilft es, vielleicht kriegen wir Kerle doch bald eine blutige Nase.  

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