Mijn eerste reis met de elektrische Auto…Teil 3 Urlaub 

Wir sind nun schon zum fünften oder sechsten Mal in Oostkapelle. Ich weiß, was mich in dem kleinen Ort erwartet und daher kann ich mich immer schnell akklimatisieren. Die klar strukturierte Landschaft, die dem Auge des Betrachters trotz ihrer Kargheit unzählige Details bietet, das maritime Klima, die salzige Seeluft erzeugen in mir schnell ein Wohlempfinden, das ich gerne genieße. Dabei vergisst man schnell, dass die Niederländer unter größten Anstrengungen und Opfer dieses Land dem Meer abgerungen habe.   Angesichts dieser Leistung scheint die Unfähigkeit vieler deutschen Kartoffeln, sich Veränderungen anzupassen, in dem sie sich mit neuen Zivilisationstechniken auseinander setzen, wie ein Hohn auf die Fähigkeiten der Menschheit. Lieber empören sich die Kartoffeln, anstatt einfach mal etwas auszuprobieren. Sie motzen über die E-Autos und dass Ihnen das Fahrgefühl eines Verbrenners weggenommen wird und damit ihre persönliche Freiheit, sie fabulieren über die Wasserstofftechnik, die sie abwarten wollen, sie entdecken ihr Gewissen als Verbraucher und erzürnen sich plötzlich über den Abbau der seltenen Erden, die für die Herstellung der Akkus benötigt werden, haben aber Jahrzehntelang den Raubbau von Rohstoffen in den entlegensten und ärmsten Gegenden der Welt mit einem Achselzucken goutiert, Hauptsache sie müssen nicht in ein Elektroauto steigen.

 Ich habe nach dem Frühstück mein Auto an eine Ladesäule gebracht. Nicht weit von unserem Ferienhaus liegen die Dünen und der Strand und davor befindet sich ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz mit einer Ladesäule.

 Die etwas altertümlich erscheinende Ladesäule ist frei. Es gibt kein Display, nur ein LED, dass mit verschiedenfarbig strahlt, um den Ladezustand anzuzeigen. Meine Shell-Karte funktioniert sofort, bis der Strom fließt dauert es eine Weil. Nach zwei langen Minuten steigt die Party und der Strom fließt. Ich schaue auf das Tachodisplay meiner ZOE (das Quietschen ist nicht mehr angebracht. Ich und meine Auto haben jetzt eine erwachsene Beziehung).

 Wir hatten einen langen Spaziergang am Strand eingeplant und da kommt mir die viereinhalb Stunden Ladezeit gerade recht.

 Am Strand, der Sonne und dem Wind ausgesetzt, laufen wir vier ca. Kilometer durch den nassen Sand, immer an der Wasserlinie entlang, nach Domburg.

 Domburg ist beliebter Ort für Touristen, mit Hotels, einer kleinen Fußgängerzone und unzähliger kleiner Restaurants, Eisdielen und Gaststätten. Für Oktober ist es zu warm und die Sonne strahlt ungehindert am wolkenarmen Himmel. Das zieht natürlich die Menschenmassen an, die die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genießen wollen, bevor die Finsternis, Regen und Kälte die unbarmherzige Seite des Herbstes offenbart.

 Wir setzen uns in ein kleines Cafe, trinken etwas und laufen durch den Wald, der hinter den Dünen liegt wieder nach Oostkapelle zurück. De Manteling ist ein Stück Waldidylle hinter den Dünen. Lange Alleen mit schiefen Bäumen, breiten Chauseen wechseln sich ab mit kleinen Pfaden, die durch niedrige Haine führen und auf der Hälfte des Weges im Wald liegt das Schloss Westhove inmitten eines Parks. Am Ende des Weges erreichen wir ziemlich abgekämpft und hungrig wieder den Parkplatz hinter dem Strand. Der Akku ist schon lange vollgeladen, der Parkplatz ist mittlerweile überfüllt, mein Parkticket schon seit zwei Stunden abgelaufen.

 In den Tagen darauf habe ich überall nach Ladesäulen Ausschau gehalten, um mir einen Überblick zu verschaffen. In all meinen Apps und Routenplanern wurden immer die gleichen Ladesäulen in Oostkapelle angezeigt. Ich habe mit dem Auto oder zu Fuß alle aufgesucht und war enttäuscht. Entweder gehörten die Ladesäulen zu Campingplätzen und Hotels und lagen auf beschrankten Parkplätzen oder es handelte sich um privaten Wallboxen.

 Nur an einem Hotel im Ortskern gab es eine frei verfügbare Ladesäule, zu Fuß ungefähr eine Viertelstunde von unserer Ferienwohnung entfernt. Ansonsten gab es überall an großen Parkplätzen, in zentralen Lagen, an Sehenswürdigkeiten ausreichend Ladesäulen. Gerade in Städten gab es mehr als ausreichend Ladesäulen, die ich auch alle mit meiner Shellkarte hätte nutzen können.

Ich bin also in der Woche nie in Schwierigkeiten geraten und mir stand zur jederzeit genügend Reichweite zur Verfügung, um wieder nach Hause zu kommen.

 Verglichen mit der Dichte an Ladesäulen bei uns in der Gegend, sind die Niederländer schon ein Stückchen weiter als wir.

 Z.B. waren wir im Watersnoodmuseum in Ouwekerk mitten in der Einöde, abseits der Hauptstraße. Das Museum schildert sehr eindrücklich die Auswirkungen der großen Sturmflut von 1953. Am Besucherparkplatz gab es zwei Ladesäulen. Während einem Museumsbesuch das Auto aufzuladen, finde ich sehr effektiv. Bei uns gäbe es an einem solch abgelegenen Ort keine Ladesäule.

 Ich bin kein großer Kenner des niederländischen Gemütes und die Niederländer sind mir manchmal ein Rätsel. Ich finde die Widersprüche und Brüche im gesellschaftlichen Handeln sind wesentlich frappierender und auffälliger als bei uns. Wir Kartoffeln neigen zum Konservatismus und Trägheit. Fortschritt und Veränderung macht uns eher Angst.

 Die Niederländer scheinen die Widersprüche ihres Handelns besser aushalten zu können.

 Ein paar Beispiele: In den Niederlanden könnte man durch die Affinität der Niederländer zum Radfahren den Eindruck bekommen, sie hätten die Verkehrswende schon hinter sich, die uns noch bevorsteht. In jedem größeren Ort gibt es regelrechte Fahrradautobahnen. Das Fahrrad hat immer Vorrang vor dem Auto. Leider ist dem nicht so. Genauso wie bei uns ist die Verkehrsinfrastruktur auf das Auto ausgelegt. Der öffentliche Nahverkehr, gerade in ländlichen Gegenden, wird genauso stiefmütterlich behandelt wie bei uns. Im Zug kann man im Regionalverkehr nicht ohne weiteres ein Fahrrad mitführen. Wir sind sogar mal mit unseren Fahrräder beinah des Zuges verwiesen worden, obwohl es ein Fahrradabteil gab.

Früher habe ich die Niederländer für ihre schönen und großzügigen Supermärkte bewundert. Vor fünfzehn Jahren gab es im Albert Heijn riesige Kühlregale mit Glastüren, um Energie zu sparen. Heute fällt mir allerdings auf, dass die Niederländer immer noch alles in Plastik verpacken. Das Brot, das Gemüse, Obst, alles wird in Plastik gepackt. Als hätte es in den letzten Jahren keine Diskussion um Plastikverpackungen gegeben. Während bei uns überall Unverpacktläden aus dem Boden sprießen und in Frankreich sogar Carrefour als größte Supermarktkette Unverpackt-Abteilungen hat, wird in den Niederlanden einfach alles in dünnes, transparentes Plastik gesteckt.      Auch bei der Ernährung sind die Niederländer eher wahllos. Es gibt wenig wirklich vergane oder vegetarische Speisen in Restaurants. Alles wird im Pflanzenfett frittiert (deswegen gibt es wahrscheinlich auch vegane Krokett) und trotzdem sieht man wenige übergewichtige Niederländer, während bei uns die Adipositas äußerliches Kennzeichen von Wohlstand ist und weite Teile der Bevölkerung befallen hat.

 Wenn man mit dem Fahrrad über die Osterschelde fährt, sieht man überall am Wegesrand Bauteile für Windräder liegen. Dort werden auf fünf Kilometer Länge mehr Windräder gebaut als in ganz Deutschland in einem Jahr. Die Niederlande hat eine lange Küste, viele menschenleere Gegenden und immer und überall weht Wind. Das Land der Windmühlen hat eine lange Tradition im Erzeugen von Energie aus Wind und trotzdem verbrauchen die Niederländer prozentual hauptsächlich Öl und Gas und erneuerbare Energien spielen eine untergeordnete Rolle und obwohl das Benzin mehr als zwei Euro pro Liter kostet, fahren nicht mehr Elektroautos auf den Straßen als bei uns.

 Vielleicht ist der Weg zu einer klimaneutralen Nutzung von Energie in den Niederlanden ein wenig kürzer bei uns. Aber trotzdem gibt es auch für die Niederländer viel zu tun. Vielleicht ist es nur mein subjektiver Eindruck, aber die Trägheit der Institutionen und der Menschen scheint nicht nur in Deutschland ein großes Problem zu sein.

 Nach einer Woche Erholung sind wir schweren Herzens wieder nach Hause gefahren. Ich gebe es zu: ich kann nach einer Woche keine Pommes mehr sehen und das Leben in einem kleinen Ferienhaus mit einer fünfköpfigen Familie kann anstrengend sein, insbesondere an Regentagen. Aber noch so eine Woche Urlaub hätte uns allen gut getan.

Auf der Rückfahrt gab es in Aachen noch einen kleinen Aufreger. Mit ca. 18% Akku und ca. 56 km Reichweite bin ich in Aachen angekommen. Auf dem Supermarktparkplatz war die Ladesäule belegt. Jetzt war ich doch wahrhaftig etwas nervös. Ich habe wild auf meinem Handy rumgetippt und in Googlemaps die vorher markierten Ladesäulen rausgesucht. Die nächste Ladesäule war angeblich an einer Shell-Tankstelle gleich um die Ecke.

 Die Ladesäule an der Tankstelle war zwar frei, aber leider nicht nutzbar. Wie ich nach längerem Herumprobieren herausgefunden hatte, konnte man die Ladesäulen nur nutzen, wenn man eine Kundenkarte der Tankstelle hatte.

 Beim Herumprobieren bin ich um mein Auto herum getänzelt, habe das Ladekabel rein und rausgesteckt und mit der Shellkarte herumhantiert.

 Ein Mann sprach mich an und fragte mich, ob ich lange laden müsse. Seine Verwandten aus Berlin müssten unbedingt ihr Auto laden, um nach Hause fahren zu können. Die Ladesäulen der Strawag, dem regionalen Versorger, seien alle ausgefallen. Mist, das waren die Ladesäulen, die ich als nächstes anfahren wollte. Während ich kurz Schnappatmung bekam, fragte er mich noch, wie das denn mit den Ladesäulen funktioniert. Okay? Wie sind diese Menschen mit ihrem Auto von Berlin hierher gekommen, wenn sie nicht mal wissen, wie das Laden funktioniert?

 Etwas zittrig habe ich mich ins Auto gesetzt und meine Tochter hat mich gefragt, ob wir jetzt noch nach Hause kämen. Um keine Panik aufkommen zu lassen, habe ich die Eco-Taste gedrückt und bin langsam vom Tankstellenhof runtergerollt, um den Weg zu den Strawag-Säulen zu suchen.

 Rund um die Verwaltung der Strawag gab es laut der App mindestens 10 Ladesäulen. Als wir dort angekommen waren. habe ich sofort eine freie Säule gefunden. Ein Sprinter hatte zwar schon den Chademo-Anschluss in Beschlag genommen, aber mein Typ2-Anschluss war noch frei.

 Die Zoe war schnell angeschlossen und doch ging es mit dem Laden nicht los. Das andere Fahrzeug hatte alle Ladekapazität in Beschlag genommen und ich war jetzt sozusagen in der Warteschlange.

 Ich wollte jetzt nicht den ganzen Tag in Aachen verbringen und darauf warten, bis der Sprinter vollgeladen war. Also bin ich mit meiner Tochter losgezogen und habe die Lage gecheckt. Wir haben nach einem Fußmarsch von zwanzig Minuten herausgefunden, dass die meisten Ladesäulen auf dem Gelände der Strawag dem Personal der Strawag vorbehalten waren. Auf der Hälfte der Strecke haben wir uns in einem Aldi etwas zu Essen geholt und sind zurückgelaufen und als meine Tochter mich überreden wollte, dass wir doch lieber nochmal weiter fahren sollten und ich total unentschlossen war, habe ich auf dem Kundenparkplatz der Strawag noch eine freie Ladesäule gesehen. Wir sind zu unserem Auto zurückgeeilt und gerade als ich den Stecker ziehen wollte, sehe ich auf dem Display, dass meine Zoe schon geladen wird. Erleichtert haben wir uns an der Haltestelle in der Nähe einen Bus in die Innenstadt gesucht und haben uns im Starbucks in der Nähe des Aachener Rathauses die Zeit vertrödelt, sind bei einem Asiaten Essen gewesen und haben ein wenig die Stadt erkundet.

 Nach zwei Stunden sind wir wieder weiter gefahren und abends waren wir gegen 19 Uhr zu Hause. Meine Frau und die beiden anderen Kinder sind mit dem Zug zurückgefahren. Diesmal hatte meine Frau sich eine andere Strecke herausgesucht und in s`Hertogenbosch mit den Kindern Mittagspause gemacht, um dann pünktlich nach Deutschland zu kommen. Diesmal hatte alles ohne Verzögerung geklappt und kurz nach dem wir nach Hause angekommen waren, habe ich die Drei am Bahnhof abgeholt.

 Der Urlaub lässt nur ein Fazit zu. Auch mit einem E-Auto kann man in den Urlaub fahren. Man braucht ein wenig Planung, ein wenig Mut zur Lücke, einen Plan B im Kopf und die Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzulassen.

Mijn eerste reis met de elektrische Auto… Teil 1 – die Vorbereitung

Vor drei Wochen bin ich in ein Mikroabenteuer gestartet: Die erste Urlaubsreise mit meiner Zoe (wenn ich Zoe sage, quietsche ich wie meine dreizehnjährige Tochter, die sich über irgendwelche Likes bei TicToc freut), dem mit Elektromotor angetriebenen in blaumetallic lackierten Blechhaufen, der seit Mai vor meinem Haus parkt.

Warum Abenteuer und warum Mikro? Als Kartoffel gehe ich immer vom Eintreten einer Katastrophe aus. Ich habe einen Akku in meinem Auto, der spätestens alle 250 Kilometer an einer Ladesäule aufgeladen werden muss. Wobei es bei den 250 Kilometern nur um eine Schätzung handelt. Je nach Geschwindigkeit, Beschleunigung, Außentemperaturen usw. kann sich diese Kilometerleistung noch deutlich verkürzen. Und was ist, wenn ich dann keine Ladesäule finde? Und das ist sie schon: DIE KATASTROPHE!!!!

Der Bruder eines guten Freundes fährt schon sehr lange Elektroautos. Zuerst fuhr er einen E-Golf mit einer Reichweite von 180 Kilometern. WV gab damals das Versprechen ab, Fahrzeuge bis zu dreimal im Jahr kostenlos zur nächsten Ladesäule zu schleppen, wenn der Akku leergelaufen war. Meine ZOE (verliebtes Quietschen) hat eine offizielle Reichweite von 310 Kilometern.   Als mir der Bruder meines Freundes die Geschichte anvertraute, ist mir trotzdem das Herz in die Hose gerutscht. Es war so tief in die Hose gerutscht, dass mir der Mut abhandenkam, um ihn zu fragen, ob er denn jemals abgeschleppt worden sei.

Ein anderer Freund mit ausreichend Erfahrung im Elektroautogame (er fährt schon seit längerem einen Tesla), sprach mir gut zu und empfahl mir, mit der App A Better Routeplaner meine Reise vorzubereiten.

Allerdings hat er mir verschwiegen (als Teslafahrer hat man das Problem wahrscheinlich nicht), dass die App mir zwar unzählige Ladesäulen anzeigt, die meinen langen Weg ins Ausland säumen, ich die wenigsten aber nutzen kann, weil mir die passende Ladekarte fehlt.

Also habe ich mich zu allererst über Ladekarten informiert. Ich hatte bis dato nur eine Ladekarte und zwar die meines regionalen Versorgers, die mit 25 EUR Flatrate monatlich so was von günstig ist, dass ich es kaum glauben konnte.

Meine Internetrecherche zu Ladekarten war ernüchternd. Es gibt unzählige Anbieter, die alle versprechen, dass man sie einfach nur an eine Ladesäule halten muss und schon fließt der Strom durchs Ladekabel. Das ist wie immer nur die halbe Wahrheit. Es hat ein paar Abende, die ich im Internet herumsurfen musste, gedauert, um zu verstehen, dass ich mir noch zwei Ladekarten besorgen sollte: einmal die Karte von EnBW und die von Shell.

Sie haben richtig gelesen! Shell, der böse Ölkonzern, hat vor ein paar Jahren ein Ladesäulenstartup gekauft und in den Niederlanden für ein einheitliches Ladekartensystem gesorgt. Mit einer Ladekarte der gelben Muschel auf roten Grund stehen einem alle öffentlichen Ladesäulen aller Anbieter zur Verfügung. In Deutschland ist man davon noch sehr, sehr weit entfernt. Wenn man sich damit beschäftigt, bekommt man den Eindruck, dass wir Kartoffeln einfach auf fragmentierte Kleinstaatenlösungen stehen und dass dann als Fortschritt begreifen. EnBW hat als einer der wenigen Anbieter eine weit gediehene Infrastruktur und gerade die Ladesäulen an Autobahnraststätten scheinen alle mit der EnBW-Karte klar zu kommen.

Die beiden Ladekarten waren bei mir nach einer Woche eingetrudelt. Zu jeder Ladekarte gibt es eine APP in der man sich und seine Karte registrieren muss. Seitdem ich meine ZOE (sanftmütiges Quietschen) besitze, hat sich die Anzahl der APPs auf meinem Iphone gefühlt verdoppelt. Sogar meine ZOE (ich quietsche, als würde mir Zoe verliebt den Nacken kraulen) hat eine eigene App. Da kann ich morgens nach dem Aufstehen im Winter sofort die Fahrzeugheizung aus der Ferne anschmeißen und eine Stunde später ins warme  Auto steigen. Ich bin gespannt, wie viel Prozent Akku-Leistung sich dabei in wohlige Wärme auflösen.

Mit den Ladekarten konnte ich nun die konkrete Streckenplanung beginnen. Die App A better Routeplaner gibt es in eine vollkommen ausreichende kostenlose Version. Für die Berechnung der Route kann man viele Faktoren mit einbeziehen und das verheißt ein möglichst genaues Ergebnis.

Ich sollte drei Mal zum Laden anhalten und jeweils eine halbe Stunde laden. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als ich mein Auto gekauft hatte, habe ich mir im Vorfeld einige Videos auf Youtube zu dem Thema Reisen mit Elektroauto angeschaut und jedes Mal ging es darum, durch optimierte Ladevorgänge ein paar Minuten zu sparen.

 Das Laderegime beruht auf der These, dass die letzten zwanzig Prozent Akkuleistung die gleiche Zeit in Anspruch nimmt als die ersten Achtzig Prozent (Paretoregel: funktioniert immer!). Also versucht man irgendwie sich bei dem Akkustand immer zwischen 10 und 50 Prozent zu bewegen und den Akku nicht voll zu laden.

 Diesem Regime wollte ich mich nicht unterwerfen. Wir sind in unserer Familie fünf Personen (drei Kinder und zwei Erwachsene) und meine ZOE (ein wehmütiges leises Quietschen) ist ein Kleinwagen mit beschränkter Kofferraumkapazität. Meine Frau war schon im Frühjahr auf die Idee gekommen, dass sie und eine meiner Töchter mit dem Zug nach Oostkapelle fahren und ich, meine große Tochter und mein Sohn in der ZOE (ein gehauchtes kaum hörbares Quietschen) fahren und das Gepäck mitnehmen.

 Es sollte so ein interner Familienwettbewerb der Mobilitätskonzepte werden. Zug gegen Auto!!!! Sehr spannend!!! Wurde es auch! Aber dazu später mehr.

 Wir fahren im Schnitt jedes zweite Jahr in die Niederlande in den Urlaub und bisher hatten wir sehr gute Erfahrungen mit langen Pausen gemacht, die wir zumeist auf der Hälfte der Strecke nahe der Grenze einlegen.

 Für die Kinder und auch uns Erwachsene hat sich das bewährt. Wir machen in irgendeiner Stadt Halt, suchen uns ein nettes Plätzchen, essen etwas und streifen ein wenig umher. So nach anderthalb Stunden geht es dann weiter.

 Also bot es sich für mich an, an der Grenze den Ladevorgang mit der üblichen langen Pause zu verbinden. Bis zur Grenze sind es von uns aus ca. 220 Kilometer. Mit einem vollen Akku hätte ich also noch genügend Kapazität um in aller Ruhe nach einer Ladesäule zu suchen.

 Ein Halt in Aachen bot sich an. Ich war schon mehrfach in Aachen und kannte die Innenstadt. Ich nutzte den Routenplaner  auf der Website Goingelectric.de, folgte der Autobahn und suchte die Abfahrt in die Innenstadt. Ich entdeckte die Ladesäulen entlang der Krefelder Straße, die in die Innenstadt führte. Zwei Ladesäulen befanden sich direkt an der Autobahnausfahrt. Einen Kilometer weiter gab es Ladesäulen an einem Supermarkt, in der Nähe lag ein Gewerbegebiet mit weiteren Einkaufsmöglichkeiten und den üblichen Fastfoodbuden. Im Umkreis von zwei Kilometern gab es eine Shell Tankstelle mit Ladesäule und den örtlichen Energieversorger mit unzähligen Ladesäulen. Es konnte also nix schief gehen.

 Drei Tage vor der Abreise habe ich  in GoogleMaps auf meinem Handy ganz viele Orte mit Ladesäulen in einer Liste gespeichert. Notfallsäulen in Köln, die Krefelder Straße in Aachen, in den Niederlanden an der Strecke mehrere Säulen an Shell-Tankstellen und in Goes an einem MC-Donalds.

 Als ängstliche Kartoffel musste ich mich tausendfach absichern. Ich konnte ein Tag vor der Abfahrt nicht mehr richtig schlafen. Ich habe anstatt Schäfchen Ladesäulen gezählt und bin trotzdem nicht eingeschlafen. Was, wenn ich scheitere und mein Auto mit leerem Akku liegenbleibt…..

Einen Ausflug in den Westerwald – Teil 2

Ich fuhr über die A 45, die momentan bis Siegen nur aus Baustellen besteht. Dort kann man das Auto nicht voll ausfahren. Der Zoe ist bei 140 KM/h am Ende seiner Möglichkeiten. In Anbetracht der Tatsache, dass so grüne Spinner wie ich sich selbst die Freiheit nehmen wollen und nur noch mit maximal 130 über die Autobahn preschen wollen, ist das vollkommen ausreichend. Und wenn man ins Ausland fährt…komisch da sind nirgends diese Ökoterroristen an der Macht und trotzdem darf nirgends schneller fahren als 120 KM/H…klar diese Ausländer haben ja auch keine Ahnung von Freiheit… Schland, Schland unser Vaterland, wir lieben es, wegen den Autobahnen, dem Fußball und dem Reinheitsgebot…

Bei Herborn fährt man von der Autobahn runter und dann über eine gut ausgebaute Bundesstraße tief ins Hinterland.  Mein Weg führte vorbei an bewaldeten Hügeln, riesigen Industriegebieten, durch kleine Dörfer, und links und rechts der Fahrbahn wucherten riesige klaffende Wunden in den Wäldern, Schneisen der Zerstörung, die das friedliche Bild einer geordneten Landschaft störten.

Ich bog von der Landstraße ab, geriet auf ein kleines Sträßchen und verpasste den Treffpunkt. Mein Freund  Christian hatte mich zum Friedhofsparkplatz von Streithausen gelotst. Nachdem ich meinen Irrtum bemerkt hatte, wendete ich in einer Seitenstraße und fuhr zurück.

Meine Zoe kommt auf dem Parkplatz zum Stehen und der Ladestand meines Akkus zeigt 51 % an. Das reicht locker um wieder nach Hause zu kommen und auch noch die eine oder andere zusätzliche Wegstrecke zurück zu legen. Ladesäulen in der Nähe? Fehlanzeige. Erst im 10 Kilometer entfernten Bad Marienberg gibt es eine Ladesäule, von der ich nicht in Erfahrung bringen konnte, ob ich sie nutzen kann. Das ist wirklich noch ein Problem. Wenn es zum Beispiel in einem Ort wie Streithausen (ein kleines Kaff) ein öffentlicher Ladepunkt vorhanden gewesen wäre, hätte ich während der Wanderung, die mehr als zwei Stunden dauerte, ganz entspannt das Auto wieder aufladen können. Solange wir auf den Dörfern keine Ladepunkte haben, sind Ausflüge mit dem E-Auto unter Umständen doch eine logistische Herausforderung. Ich habe zwar ein Ladekabel für die ganz normale Haushaltssteckdose. Allerdings dauert es  dann angeblich einen ganzen Tag, um den Akku aufzuladen. In eine solche Notsituation wollte ich erst gar nicht geraten.

 Mein Freund Christian begrüßte mich und wir liefen sofort los. Christian kenne ich schon seit den neunziger Jahren. Wir haben uns im Zivildienst kennengelernt.  Wir sind über die Jahre im Kontakt geblieben, habe viele Stunden miteinander verbracht, um über Literatur, Philosophie, Politik und das Leben im Allgemeinen zu sinnieren. Jedes Treffen mit ihm ist eine Inspiration. Ich kenne keinen Menschen, der so viele Ideen in sich trägt, soviel Wissen mit sich herumschleppt und auch noch den schwierigsten Sachverhalt mit seinem Denken durchdringen kann. Gleichzeitig ist er einfach ein netter Kerl, großherzig und ein Menschenfreund.  

Er hatte mich auch zur Wanderung eingeladen, weil er auf dem langen Rundweg einige Geocaching-Verstecke lagen, die er aufsuchen wollte. Ich bin zwar gerne im Wald, aber dieser modernen Form der Schnitzeljagd konnte ich bisher nichts abgewinnen. Wir liefen zu einem Platz oberhalb des Friedhofs. Ein weißes Kreuz oberhalb von Streithausen war unser Startpunkt. Durch das Dickicht folgten wir dem „Baum-des-Jahres“-Pfad. Jedes Jahr wird der Baum des Jahres bestimmt und hier hat man es sich zur Aufgabe gemacht, hier die einzelnen Baumarten zu pflanzen und mit Hinweisen versehen. Während Christian schon die ersten Verstecke ansteuerte, vertieften wir uns schon in einen interessanten Dialog über die letzten anderthalb Jahre in denen wir uns nicht sehen konnten. Wir unterquerten die Bundesstraße und folgten einigen Waldwegen. Bald lag die alte Straße vor uns, die von Streithausen wegführte und nun als Radweg und Fußweg genutzt wurde. An eine der ersten warmen und sonnigen Tage im diesem Jahr waren hier viele Jogger und Radfahrer unterwegs. An einem Baumstumpf, dessen ausgefranste Spitzen in den Himmel ragten, vermutete Christian ein Versteck, konnte es aber nicht finden.

 Beim Geocaching sucht man anhand der Koordinaten Verstecke. In den Verstecken liegen Behältnisse mit einem Logbuch. Man trägt sich in das kleine Buch ein und bekommt evtl. noch Hinweise auf die Koordinaten eines Bonusversteckes. Das Behältnis legt man für den nächsten Suchenden wieder an seinen Platz zurück. Manchmal liegen in den Behältnissen Süßigkeiten und kleine Plastikfiguren, die man gegen andere Gegenstände eintauschen kann. Die Behältnisse stecken oft in witzigen Artefakten, in künstlichen Tierschädeln, bunten Plastikfiguren, Holztornistern usw. Ich hatte mir zur Aufgabe gemacht, jeden Cache mit der Kamera zu dokumentieren. Christian posierte jedes Mal mit dem Behältnis vor der Kamera. Obwohl er mich in die Suche eingebunden hatte,  habe ich eine Weile gebraucht, um das Prinzip zu verstehen.

 Wir kamen an einigen Waldbrachen vorbei, die ein ähnliches Bild der Zerstörung boten, wie die Schneisen, die ich neben der Bundesstraße gesehen hatte. Die Borkenkäfer hatte unzählige Hektar Wald niedergemäht, einen Teil der Bäume hatte man gefällt, um der Plage Einhalt zu gebieten.  Christian hatte sich schon längere Zeit damit beschäftigt. Als er den Namen Peter Wohlleben erwähnte, war ich schon leicht genervt. Wir haben darüber diskutiert, ob solche Typen, die mit simplen Botschaften über die Natur ein Haufen Bücher verkaufen und ständig in den Medien präsent sind, wirklich eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen erreichen oder nur leicht verdauliche Waren produzieren, die Menschen, ohne die großen Zusammenhänge zu verstehen, einfach konsumieren. Der deutsche Wald wurde schon immer verklärt und romantisiert und das Reden über die Natur auf „Landlust“-Niveau wird keinen einzigen Wald retten oder bei den Menschen eine Verhaltensänderung herbeiführen. Christian selbst suchte nicht nur nach Verstecken im Wald, sondern versuchte zu verstehen, was im Wald aktuell geschah. Er hat aber auch sich bei anderen weniger bekannten Wald- und Naturkennern herumgetrieben, wie z.B. ein Mann im Wald. 

Der Westerwald ist wie viele Waldgebiete in Deutschland auf die wirtschaftliche Nutzung von Holz ausgelegt (ha, ha so viel zur Romantik). Im Westerwald hatte man im vorletzten Jahrhundert Monokulturen aus Nadelhölzern angesiedelt. In der Hauptsache Fichten, die schnell wachsen und daher gut verwertbar waren. Die Wälder haben das Holz geliefert, das man zur Industrialisierung dringend benötigte. Nun hat die Industrialisierung dazu geführt, dass viel CO2 ausgestoßen wurde. Die Sommer wurden heißer und trockener. Fichten können Borkenkäfer als Eindringlinge mit ihrem Harz bekämpfen. Sobald ein Käfer sich ins Holz frisst, wird er vom Harz umschlossen und gekillt. Wenn Trockenheit herrscht, können Fichten kein Harz bilden. Den Borkenkäfer fiel es leicht,  die Bäume zu befallen und die Plage hat sich ungehindert ausgebreitet. In Mischwäldern wird die Verbreitung gestoppt, da die Borkenkäfer nur Nadelhölzer befallen. Sobald sie an einen Laubbaum geraten, ist alles vorbei. Nun kommt es zu einem Kreislauf, der vielen Menschen gar nicht bewußt ist. Bäume binden CO2. D.h. wenn Baumbestand vernichtet wird, gibt es weniger Bäume, die CO2 binden und damit erwärmt sich die Welt weiter, wird es noch trockener usw. Wir regen uns ja gerne über die verheerende Zerstörung des Regenwaldes in Südamerika auf, vergessen aber gerne das Drama vor unserer Haustüre.

Wir liefen einige Stunden durch den Wald, aus 11 Kilometern wurden 15. Christian musste immer wieder vom Hauptweg ins Unterholz abbiegen. Das hat die Wanderung unheimlich in die Länge gezogen und als ich auf dem Heimweg vollkommen erschöpft und hungrig an einer Tankstelle im Nirgendwo einkehrte (mit einem E-Auto, welch Ironie) um mir Essen und Trinken zu besorgen, dachte ich über die Zerstörung der Wälder nach. Ich fragte mich, ob die Frau hinter der Theke, die mir eine in Plastik verpackte Biffi-Roll und eine große PET-Flasche Wasser verkaufte, ahnte, dass ihre unmittelbare Existenz vielleicht durch die Elektromobilität bedroht ist, die viel größere Bedrohung aber hinter ihr im Wald lauerte. Ich saß draußen in der grellen Nachmittagsonne auf einem kleinen Bank, kaute auf dem industriell hergestellten Würstchen herum, trank aus meiner Flasche Wasser, dass nach dem Plastik der PET-Fasche schmeckte und stellte mein eigenes Handeln in Frage.  Ich fuhr vielleicht ein Elektroauto, achtete darauf, unverpackt Dinge des Alltags zu kaufen, die nach biologischen Maßstäben und in der Region produziert wurden,  flog nicht mit dem Flugzeug in die Ferne, um mich in der Sonne brutzeln zu lassen und doch hatte ich keine Ahnung, was wirklich in der Natur geschah. Bin ich nicht doch nur ein kleiner Angeber, der das Statussymbol SUV gegen ein das neue Statussymbol Elektroauto getauscht hatte?

 Als Christian im Wald ein Cache suchte, der in einem Birkenwald liegen sollte, fragte er mich, ob ich irgendwo um uns herum Birken sah. Ich zeigte auf niedrige dürre Bäume und er antwortete belustigt von meiner Einfalt: Nein Matthias, das sind Haselsträucher!