



Jede Woche in der Marathonvorbereitung stellt mich vor neue Herausforderungen. Diese Woche musste ich einige Termine mit meinem Lauf-Plan koordinieren. Montags eine ganztägige Veranstaltung, Donnerstag ein Elternabend in der Schule, bedeutete für mich am Dienstag und Mittwoch, zwei Tage hintereinander Abends nach der Arbeit zu laufen. Dienstags Intervall (3 x 1000 Meter in unter fünf Minuten mit 4 Minuten Pause) und Krafttraining, Mittwochs Dauerlauf 70 Minuten. Das Intervalltraining konnte ich gut stemmen und das Krafttraining hat mich auch nicht aus der Fassung gebracht. Am Mittwoch ist es mir schwer gefallen, loszulaufen und in meinen Rhythmus zu kommen. Meine Beine haben sich von Anfang an wie Betonklötze angefühlt. Wenn meine Füße den Boden berührt haben, habe ich meinen ganzen Körper gespürt. Ich bin nicht gerollt, sondern gerumpelt. Es hatte lange gedauert aber igendwann hatte ich mich dann doch eingegroovt . Am nächste Tag hatte ich Pause und die war dringend nötig gewesen. Denn am Freitag wollte ich beim Brückenlauf in Wetzlar eine gute Figur machen. Seit ein paar Jahren laufe ich dort für meinen Arbeitgeber mit. Es gibt Teams mit 3 Läufern. Die Teams müssen innerhalb einer Stunde möglichst viele Runden durch die Altstadt laufen. Eine Runde ist ca. 2 Kilometer lang. Für jede Runde wird Geld gespendet. Ich versuche immer als Startläufer zu laufen, um meine 2 Runden zu laufen. Es geht im Stadion los und man läuft ein Stück über die Tartanbahn, raus aus dem Stadion Richtung Altstadt. Durch die Altstadt zu laufen ist gar nicht so unspektakulär, da es Richtung Dom richtig steil wird und man bergab über Kopfsteinpflaster rennt. Danach hetzt man durch einen Park und kommt wieder zurück ins Stadion und vor der großen Tribüne sucht man den nächsten Läufer, dem man den Staffelstab überreicht. Es war angenehm warmes Wetter und viel Sonne am Himmel, daher war die Stadt voll mit Publikum. Es geht schon ein Schauer über den Rücken, wenn man völlig außer Atem auf dem Eisenmarkt ankommt und von den Leuten am Wegesrand angefeuert wird. Nur so kommt man den Berg hoch. Die erste Runde war bei mir nicht so gut. Die zweite Runde war wesentlich besser. Aber eigentlich geht es nicht um die individuelle Leistung, sondern um das Miteinander und die gute Stimmung und natürlich den guten Zweck. Um 21 Uhr war ich zu Hause und mir haben schon die Beine geschmerzt. Der Samstag war anstrengend, ich hatte schlecht geschlafen, viel Hausarbeit und Erledigungen lagen vor mir, die ich nicht aufschieben konnte und trotzdem habe ich es am Abend geschafft, noch einmal vierzig Minuten zu laufen. Danach wurde es etwas ruhiger und am Sonntag sollte ich zehn Kilometer in 52 Minuten laufen. Eine Aufgabe, an der ich scheitern musste. Ich bin noch nie 10 Kilometer in 52 Minuten gelaufen. Mein Rekord liegt bei knapp über 53 Minuten. Also habe ich mir eine möglichst flache und gerade Strecke ausgesucht. In Giessen beginnt am Schwimmbad in der Ringallee der Stadtpark und eine Strecke die fast geradeaus in die Wieseckau am Segelflugplatz vorbeiführt. Ich bin einigermaßen gut weggekommen und ca. 7 Kilometer bin ich unter der geforderten Pace geblieben. Für die letzten 3 Kilometer hat mir die Kraft gefehlt und ich bin bei 53.55 hängengeblieben. Eine gute Zeit und ein schöner Lauf. Wie man auf den Fotos oben sehen kann, ist die Strecke auch etwas fürs Auge und deswegen hatte ich sie ausgewählt. Nach der Woche konnte ich nicht zehn Kilometer an irgendeiner Bundesstraße und durch Industriegebiete laufen. Das hätte mich wahnsinnig deprimiert. Danach habe ich mir beim meinem Lieblingskafeeladen einen Frozen Capuccino mit Sahne und einem Schokokeks besorgt. Ich saß, hatte Zeit und genoss den Rückblick auf eine gute Woche.